meinreinigungsunternehmenKontakt aufnehmen ↗
Menü

PRAXISREIHE · BAND 3 · BEGLEITTEXT

Anhang A — Was du aus den beiden anderen Büchern brauchst

Von Salih Daglar · Vollständiger Buchtext · etwa 16 Minuten Lesezeit

Alle Kapitel dieses Buches →

Dieser Anhang ist eine Werkzeugkiste, keine Zusammenfassung. Wer „Aufträge kommen nicht von allein” und „Aus Anfragen werden Aufträge” gelesen hat, überspringt ihn — dort steht alles Folgende mit Begründung, Beispiel und Gegenargument. Wer nur dieses Buch in der Hand hält, findet hier die Werte und Verfahren, die die Rechnungen ab Kapitel 5 voraussetzen. Gerechnet wird mit denselben Werten wie in den beiden anderen Büchern; jede Zahl steht unverändert so in den Quellkapiteln.

A.1 Die Begriffe, mit denen gerechnet wird

Aus „Aufträge kommen nicht von allein”, Kapitel 1. Jeder dieser Begriffe wird im Alltag mit einem anderen verwechselt.

Umsatz ist die Summe deiner Nettorechnungen. Er sagt nichts darüber, ob etwas übrig bleibt, und ist die einzige dieser Größen, die du fast immer erhöhen kannst, wenn du billig genug bist.

Auslastung ist der Anteil deiner bezahlten Arbeitsstunden, der am Objekt abgerechnet wird. Hohe Auslastung und schlechtes Ergebnis sind gleichzeitig möglich.

Deckungsbeitrag ist der Umsatz eines Objekts minus die Kosten, die nur dieses Objekt verursacht: Lohn der Einsatzkräfte, Material, Wege. Er ist nicht dein Gewinn — der Satz, auf dem jedes Leistungsverzeichnis in diesem Buch steht.

Gemeinkosten sind die Kosten, die auch anfallen, wenn kein Objekt gereinigt wird: Büro, Versicherung, Software, Steuerberater, dein eigenes Gehalt. Gewinn ist das Ergebnis nach allen Kosten, vor Steuern; er sagt nicht, wie viel du entnehmen kannst.

Unternehmerlohn ist dein Gehalt als Kostenposition. Wenn du selbst mitreinigst, bist du in dieser Stunde Einsatzkraft: Deine Stunde gehört mit einem schriftlich festgelegten Wert in die direkten Kosten.

Liquidität ist das Geld, das heute auf dem Konto ist. Gewinn ist noch kein Geld — das Thema von Kapitel 13 dieses Buches.

Petra Novaks Monat, einmal durchgerechnet

Novak Gebäudeservice, Petra Novak, 41, Mannheim, 19 Beschäftigte, ist ein frei erfundener Beispielbetrieb. Alle Zahlen sind Modell — frei gewählte Annahmen, netto, Deutschland, Durchschnittsmonat, Stand Oktober 2026. Keine Branchenwerte, keine Preisempfehlung. Die Kostenanteile von 68, 4 und 5 Prozent sind gesetzt, nicht gemessen.

Im Modelljahr 780.000 Euro Jahresumsatz netto, also 65.000 Euro im Monat netto. 61 Prozent davon, 39.650 Euro, kommen von einem Generalunternehmer; die übrigen 25.350 Euro verteilen sich auf eigene Kunden.

Position Anteil Betrag je Monat, netto
Umsatz 100 % 65.000 €
Lohn der Einsatzkräfte samt Arbeitgeberanteil und Ausfallzeiten 68 % − 44.200 €
Material, Maschinen, Verbrauch 4 % − 2.600 €
Fahrzeuge und Wege 5 % − 3.250 €
Deckungsbeitrag 23 % 14.950 €

An dieser Stelle hören viele Betriebe auf zu rechnen. Es geht aber weiter:

Position Betrag je Monat, netto
Büro und Verwaltung, eine Teilzeitkraft − 4.400 €
Raum, Versicherungen, Beiträge, Steuerberater − 2.100 €
Software, Telefon, Website, Portalgebühren − 600 €
Unternehmerlohn Petra Novak − 5.200 €
Gewinn vor Steuern 2.650 €

780.000 Euro Jahresumsatz netto, 31.800 Euro Jahresgewinn vor Steuern, 4,1 Prozent. Ohne den Unternehmerlohn als Kostenposition sähe es nach 7.850 Euro Gewinn im Monat aus.

Vier Werte dazu. Auslastung: rund 2.100 bezahlte Arbeitsstunden im Monat, davon 1.850 an Objekten abgerechnet — 88 Prozent. Erlös: rund 35 Euro netto je abgerechneter Objektstunde. Deckungsbeitrag je Objektstunde: 14.950 Euro auf 1.850 Stunden, also 8,08 Euro netto; nach allen Gemeinkosten bleiben davon 1,43 Euro („Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 10). Liquidität: Der Generalunternehmer zahlt 60 Tage nach Rechnungseingang, die direkten Personalkosten dieses Anteils liegen bei rund 27.000 Euro im Monat netto, also liegen ständig rund 81.000 Euro netto draußen — mehr als zweieinhalb Jahresgewinne.

Eine Steigerung ihrer Lohnkosten um 4 Prozent kostet 1.768 Euro im Monat, zwei Drittel ihres Monatsgewinns. Daraus folgt die Reihenfolge: erst der Preis je Stunde, dann die Auslastung.

A.2 Die drei Beispielbetriebe, mit allen Kennzahlen

Aus „Aufträge kommen nicht von allein”, Kapitel 1 bis 8, und „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 10. Alle drei Betriebe sind frei erfunden, alle Zahlen Modell — gewählte Annahmen, netto, Deutschland, Stand Oktober 2026. Keine Branchenwerte, keine Preisempfehlung, keine Prognose.

Betrieb, Ort Lage Beschäftigte Stunden im Monat
Dilan Acar, 34, Dresden nebenberuflich, keine Referenzen, Radius 15 Fahrradminuten keine 8 h/Woche, davon 5 verkaufbar; 17 Objektstunden zusagbar
Hoffmann Gebäudereinigung, Osnabrück, Andreas Hoffmann, 52 14 Objekte, Radius 25 Fahrminuten 6 Teilzeitkräfte 520 verkauft; 120 frei, davon 96 verkaufbar, 80 zusagbar
Novak Gebäudeservice, Mannheim, Petra Novak, 41 etabliert, eigenes Lager, fester Großkunde 19 2.100 bezahlt, 1.850 abgerechnet
Betrieb Erlös je Objektstunde Direkte Kosten je Objektstunde Mindest-DB Ziel
Acar Mindesterlös 25,50 € 18,50 € 7,00 € 0 → 1 laufender Vertrag, mind. 8 Einsatzstunden/Monat
Hoffmann rund 31,00 € 25,00 € 6,00 € 520 → 560 verkaufte Objektstunden/Monat
Novak rund 35,00 € als Anteile, siehe A.1 9,00 € (heute 8,08 €) Anteil größter Auftraggeber 61 → 55 %

Legende: Alle Werte Modell, netto, je Objektstunde. Acars 18,50 € sind 18,00 € eigener Stundenwert, 0,50 € Material und 0,00 € Wege; Hoffmanns 25,00 € sind 22,00 € Lohn mit Arbeitgeberanteil, 2,20 € Wege und 0,80 € Material.

Acar. Acht Stunden die Woche, davon fünf verkaufbar; nach Abzug einer Akquisestunde bleiben vier, im Monat rund 17 statt 21 Objektstunden. Wege rechnet sie mit null, weil ihr Radius 15 Fahrradminuten beträgt. Ihre Gemeinkosten sind mit 95 Euro im Monat angenommen, 1.140 Euro im Jahr; ihre 184 Objektstunden im Jahr — nicht 204 — ergeben bei 7,00 Euro Deckungsbeitrag 148 Euro Gewinn im Jahr. Erlöst sie 28,00 statt 25,50 Euro, steigt der Jahresgewinn auf 608 Euro, bei identischem Aufwand: Bei ihrer Größe entscheidet der Preis, nicht die Menge.

Hoffmann. Er hat das umgekehrte Problem: bezahlte Kapazität, die er nicht verkauft. Seine 6,00 Euro sind keine Vollkostengrenze, sondern die Untergrenze für einen zusätzlichen, kurzfristig kündbaren Auftrag, der bezahlte Leerzeit füllt. Würde er seinen ganzen Betrieb zu 6,00 Euro verkaufen, kämen bei 520 Stunden 3.120 Euro herein, gegen 4.680 Euro Gemeinkosten — ein geplanter Verlust von 1.560 Euro im Monat.

Novak. Durchgerechnet in A.1. Ihre Engstelle ist das Personal: Bei 88 Prozent Auslastung sagt das Kapazitätsfeld ihres Planblatts null. Ihr Ziel verlangt rund 7.100 Euro zusätzlichen Monatsumsatz netto von eigenen Kunden. Jeder der drei verliert im Laufe der Reihe einen Auftrag und entscheidet sich einmal gegen Wachstum.

A.3 Das Planblatt mit Hoffmanns Werten

Aus „Aufträge kommen nicht von allein”, Kapitel 8. Ein Blatt Papier für 90 Tage mit einer Aufgabe: deine Grenzen aufschreiben, solange sie nichts kosten. Zwei Felder sind hier unentbehrlich — die zusagbare Kapazität, die entscheidet, ob du eine Ausschreibung überhaupt abgeben darfst, und der Mindestdeckungsbeitrag je Objektstunde, die Untergrenze in jedem Leistungsverzeichnis. Jedes Abbruchkriterium hat eine Zahl, ein Datum und eine Folge; ohne Folge ist es kein Kriterium, sondern ein Seufzer.

Andreas Hoffmann, 52, Osnabrück, ist ein frei erfundener Beispielbetrieb. Alle Zahlen Modell, netto, Gebiet Osnabrück und Umgebung, Zeitraum 90 Tage, Stand Oktober 2026.

Feld Hoffmanns Eintrag
Ziel (ein Satz, eine Zahl) verkaufte Objektstunden von monatlich rund 520 auf 560
Zielgruppen (höchstens zwei) Hausverwaltungen, Gewerbeobjekte im Stadtgebiet
Radius 25 Fahrminuten zur Einsatzzeit, kein Objekt über 20 km
Wochenzeit Akquise 4,0 Stunden, davon 1,0 aus seiner eigenen Bürozeit
Akquisebudget, 90 Tage 900 € — davon 540 € laufende Portalgebühren
Kapazität zusagbar 80 Objektstunden im Monat (96 minus 16 Reserve)
Mindestdeckungsbeitrag 6,00 € je Objektstunde
Abbruchkriterium Portal unter 6 passenden Anfragen bis 31.12. → Kündigung zum Laufzeitende
Abbruchkriterium Anschreiben unter 3 Besichtigungen aus 30 Anschreiben bis 31.12. → stattdessen Begehung nach „Aufträge kommen nicht von allein”, Kapitel 5

Die Rechnung hinter dem Mindestwert, Modell, netto, je Objektstunde. Stundenerlös rund 31,00 Euro, angesetzt 22,00 Euro Lohnkosten einschließlich Arbeitgeberanteil, 2,20 Euro Wege für eine dichte Tour, 0,80 Euro Material — direkte Kosten 25,00 Euro, Deckungsbeitrag 6,00 Euro. Sein Ziel von 40 zusätzlichen Objektstunden bringt 40 × 6,00 Euro = 240 Euro Deckungsbeitrag im Monat netto; das Budget von 900 Euro ist damit nach rund dreieinhalb bis vier Monaten zurückverdient, wenn die Objekte bleiben. Seine vier Akquisestunden je Woche sind rund 17 Stunden im Monat, bei 6,00 Euro rund 100 Euro entgangener Deckungsbeitrag im Monat.

A.4 Die Objektaufnahme und die Stoppuhrmessung

Aus „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 9. Eine Objektaufnahme ist eine Aufnahme, nicht ein Gespräch mit Notizen. Sieben Blöcke, in dieser Reihenfolge abgearbeitet — auswendig vergisst du beim fünften Objekt den fünften Block.

1. Nutzung. Was passiert in diesen Räumen, wie viele Menschen sind da, wann? Stoßzeiten, Publikumsverkehr, Essen am Platz, Homeoffice-Tage — und ob sich das in zwölf Monaten ändert.

2. Flächen. Je Raumart und Bodenart, selbst gemessen, nicht die Zahl aus dem Mietvertrag. Die Reinigungsfläche ist nicht die Mietfläche: Schränke, Regale und fest verbaute Möbel stehen darauf, und Treppenhäuser, Flure, Keller, Technikräume, Aufzugskabinen und Eingangsbereiche fehlen in Papieren mit großer Verlässlichkeit. Dieselbe Warnung gilt für die Raumbücher in Kapitel 5.

3. Frequenz. Der Turnus je Raumart getrennt, auf drei Ebenen: was in jedem Gang passiert, was wöchentlich oder monatlich dazukommt, und was ein- bis zweimal im Jahr als Grundreinigung ansteht. Über die dritte Ebene wird später gestritten.

4. Zugang. Wer schließt auf, Schlüssel oder Transponder, Alarmanlage und Aufschaltliste, Zeitfenster, Parken und seine Kosten, Putzraum mit Wasser und Steckdose, Müllstandort und Entsorgungsweg. Jeder Punkt ist Zeit, und Zeit ist der Preis.

5. Risiken. Empfindliche Böden, Technik, die nicht nass werden darf, Höhen über Leiterhöhe, Alleinarbeit, Tagesreinigung bei laufendem Betrieb. Und vorhandene Schäden: jeder Kratzer, jeder Fleck wird fotografiert und mit Datum abgelegt, bevor du anfängst.

6. Abnahme. Wer kontrolliert, nach welchem Maßstab, wie oft? Was gilt als Mangel, in welcher Zeit musst du nacharbeiten? Wer keinen Maßstab verabredet, bekommt den des Unzufriedensten.

7. Schnittstellen. Wer macht, was du nicht machst — Hausmeister, Winterdienst, Grünpflege, Glasreinigung außen, Entsorgung. Dazu zwei vergessene Fragen: Wer stellt das Verbrauchsmaterial? Und was hat der Vorgänger gemacht, auch das, was in keinem Vertrag stand?

Gemessen und gezählt wird: Flächen je Raumart in Quadratmetern · Treppenstufen einzeln samt Podesten, in Stück und nicht in Quadratmetern · Sanitärobjekte · Fenster und Glastüren innen · Türen, Mülleimer, Aufzugskabinen, Handläufe, Spiegel · Deckenhöhe, wo du oben arbeiten sollst · die Wegstrecke zwischen Eingang, Putzraum und entferntester Fläche.

Die Stoppuhrmessung, ohne die die Kalkulation in A.5 in der Luft hängt: Reinige im Besichtigungstermin einen einzigen repräsentativen Raum vollständig, mit dem Gerät, das du einsetzen würdest, und miss die Zeit. Rechne auf Quadratmeter je Stunde um. Fünf Minuten Arbeit; wiederhol es in drei Objekten, und du hast eine eigene Leistungswertliste. Fremde Werte taugen nicht: Was eine Kraft schafft, hängt am Belag, an der Möblierung, an der Verschmutzung, am Gerät und an der Person — und ein Fehler von zwanzig Prozent im Leistungswert ist ein Fehler von zwanzig Prozent im Preis.

Beispiel, frei erfundene Betriebe, Zahlen Modell: Dilan Acar zählt 142 Stufen, misst zwei Bodenarten, fotografiert eine beschädigte Versiegelung und reinigt ein Geschoss mit der Stoppuhr — 14 Minuten. Hoffmann nimmt bei einem Bürogebäude mit 620 Quadratmetern Reinigungsfläche erstmals den Block „Schnittstellen” auf und erfährt, dass der Hausmeister bisher 60 Quadratmeter Sanitärfläche dreimal wöchentlich mitgemacht hat und zum Jahresende aufhört.

A.5 Der Kalkulationsweg aus „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 10

Auf diesen Abschnitt beruft sich Kapitel 5 bei Leistungsverzeichnissen. Der Rechenweg ist derselbe: Fläche durch Leistungswert ergibt Stunden, Stunden mal Kostensatz ergibt Kosten, plus Material, plus anteilige Gemeinkosten, plus Zuschlag ergibt den Preis. In einer Ausschreibung sind die Vorgaben fremd, sonst ändert sich nichts.

Zuschlag ist nicht Marge. Der Zuschlag ist ein Prozentsatz auf deine Kosten, die Marge ein Prozentsatz vom Preis. Selbstkosten 100 Euro, 20 Prozent Zuschlag, Preis 120 Euro, Gewinn 20 Euro — bezogen auf den Preis sind das 16,7 Prozent, nicht 20. Wer wirklich 20 Prozent Marge will, braucht 25 Prozent Zuschlag.

Marge = Zuschlag ÷ (1 + Zuschlag) Zuschlag = Marge ÷ (1 − Marge)

Deckungsbeitrag ist nicht Gewinn. Bei Novak sind 14.950 Euro Deckungsbeitrag im Monat am Ende 2.650 Euro Gewinn vor Steuern; die Differenz von 12.300 Euro sind Gemeinkosten und ihr Unternehmerlohn. Wer die zwei Sätze nicht trennt, hält einen Auftrag mit 6 Euro Deckungsbeitrag je Stunde für einen Gewinn von 6 Euro je Stunde.

Vom Lohn zur geleisteten Stunde

Der Branchenmindestlohn liegt nach der Zehnten Gebäudereinigungsarbeitsbedingungenverordnung in der Innen- und Unterhaltsreinigung bei 15,00 Euro je Stunde brutto, in der Glas- und Fassadenreinigung bei 18,40 Euro, und ist befristet bis zum 31. Dezember 2026 (belegt, Fundstelle in Kapitel 5). Ein Folgetarif war am 7. Oktober 2026 nicht vereinbart; gerechnet wird deshalb mit einem ausdrücklich als Annahme bezeichneten Grundlohn von 16,00 Euro brutto.

Lohnvollkostensatz. Frei gewählte Annahmen, Modell, netto, Deutschland, Stand Oktober 2026. Kein Tarifwert, keine Rechtsauskunft.

Schritt Annahme Ergebnis je Stunde
Grundlohn 16,00 € (Annahme) 16,00 €
Arbeitgeberanteil Sozialversicherung 21 % + 3,36 €
Berufsgenossenschaft, U1/U2, Insolvenzgeldumlage 2 % + 0,32 €
Lohnkosten je bezahlter Stunde 19,68 €

Dazu die Position, die am häufigsten fehlt: bezahlte Ausfallzeiten. Angenommen 250 Arbeitstage im Jahr, davon 25 Tage Urlaub, 10 Feiertage, 8 Krankheitstage. Bezahlt werden 250 Tage, geleistet werden 207 — Anwesenheitsquote 82,8 Prozent.

19,68 € ÷ 0,828 = 23,77 Euro je geleisteter Stunde.

Mit diesen 23,77 Euro rechnest du, nicht mit 16,00; der Unterschied ist 48 Prozent. Novaks 44.200 Euro Lohnkosten auf 1.850 abgerechnete Objektstunden sind 23,89 Euro je Objektstunde — dieselbe Größenordnung. Wege stecken darin nicht; die rechnest du als Stunden.

Neun Positionen, und keine ist freiwillig: produktive Stunden · Wege in Stunden · Lohnvollkosten · Material · Risikozuschlag für Nacharbeit und längere Vertretung · Gemeinkosten · erfolgsabhängige Provision im Preis genau jenes Auftrags, der sie auslöst · Risiko · Unternehmerlohn. Gemeinkosten und Unternehmerlohn werden umgelegt: monatliche Gemeinkosten geteilt durch verkaufte Objektstunden.

Gemeinkostenumlage Hoffmann. Frei gewählte Annahmen, Modell, netto, Monat. Büro, Miete, Telefon, Software, Website 480 € · Versicherungen, Beiträge, Steuerberater 390 € · Fahrzeug-Festkosten 430 € · Portalgebühren 180 € · Unternehmerlohn 3.200 €. Zusammen 4.680 Euro im Monat. 4.680 ÷ 520 verkaufte Objektstunden = 9,00 Euro je Objektstunde.

Ein vollständig durchgerechnetes Objekt

Alle Zahlen Modell — frei gewählte Annahmen, netto, Deutschland, Stand Oktober 2026. Keine Marktpreise, keine Preisempfehlung, kein Angebot. Hoffmann Gebäudereinigung ist frei erfunden.

Das Objekt: zwei Etagen, 620 Quadratmeter Reinigungsfläche, dreimal wöchentlich nach 17 Uhr, Verbrauchsmaterial stellt der Kunde.

Raumart Fläche gerechneter Wert Stunden je Gang
Büro, möbliert, Teppich 380 m² 220 m²/h 1,73
Verkehrsfläche, Linoleum 140 m² 300 m²/h 0,47
Sanitärbereich 60 m² 80 m²/h 0,75
Teeküche und Sozialraum 40 m² 100 m²/h 0,40
Summe 620 m² 3,34

Dreimal wöchentlich mal dem Monatsfaktor 4,33 — 52 Wochen durch 12 Monate — ergibt 13 Gänge im Monat. 3,34 h × 13 = 43,4 Objektstunden, Wege 0,33 h × 13 = 4,3 Stunden, bezahlte Stunden insgesamt 47,7.

Position Rechnung Betrag
Lohnvollkosten 47,7 h × 23,77 € 1.134 €
Fahrzeug 117 km × 0,35 €/km 41 €
Material 0,85 € × 43,4 h 37 €
Direkte Kosten 1.212 €
Risiko und Nacharbeit 3 % 36 €
Gemeinkostenumlage 9,00 € × 43,4 h 391 €
Selbstkosten 1.639 €
Gewinnzuschlag 8 % 131 €
Angebotspreis 1.770 €

Kilometersatz, Materialsatz, Risiko- und Gewinnzuschlag sind frei gewählte Annahmen.

Rückwärts gelesen: Preis je Objektstunde 1.770 ÷ 43,4 = 40,78 Euro, je Quadratmeter und Monat 2,85 Euro. Deckungsbeitrag 1.770 − 1.212 = 558 Euro, also 12,86 Euro je Objektstunde — über Hoffmanns Mindestwert von 6,00 Euro und über seiner Umlage von 9,00 Euro. Gewinn 1.770 − 1.639 = 131 Euro. 558 Euro Deckungsbeitrag, 131 Euro Gewinn — dasselbe Objekt. Und die Marge: 131 ÷ 1.770 = 7,40 Prozent, bei 8 Prozent Zuschlag.

Der Mindesterlös, und was er nicht ist

Der Weg zur Preisuntergrenze hat drei Zeilen: direkte Kosten je Objektstunde plus Mindestdeckungsbeitrag aus dem Planblatt ergibt den Mindesterlös je Objektstunde, mal Objektstunden im Monat den untersten Monatspreis. Bei Acar: 18,50 Euro plus 7,00 Euro = 25,50 Euro netto je Objektstunde — keine Rechnung, sondern ein Abruf.

Und die Grenze, die in diesem Buch zählt: Eine Untergrenze für den Grenzfall ist keine Kalkulationsgrundlage. Sie schützt dich vor einem Preis unter deinen direkten Kosten. Vor dem teureren Fehler — einem Preis über den direkten Kosten, der trotzdem Verlust ist — schützt sie dich nicht. In einem Vergabeverfahren mit mehrjähriger Laufzeit ist sie die falsche Zahl.

A.6 Zulässige Kontaktwege: drei Ebenen, die du getrennt prüfst

Aus „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 6. Auf diesem Maßstab arbeiten hier die Ansprache von Vergabestellen in Kapitel 3 und der Umgang mit gekündigten Kunden in Kapitel 9. Es ist ein Prüfschema, keine Erlaubnisliste. Der teuerste Irrtum klingt harmlos: „Die Adresse steht doch im Impressum.” Eine veröffentlichte Adresse ist eine Erreichbarkeitsangabe, keine Einwilligung in Werbung. Prüfe drei Dinge getrennt; keines ersetzt ein anderes.

Ebene 1 — Einwilligung. Liegt eine vorherige, auf diesen Kanal bezogene Zustimmung vor, und kannst du sie belegen? Für Werbe-E-Mails ist das der Regelfall; § 7 UWG kennt eine enge Ausnahme für Bestandskunden bei eigenen, ähnlichen Leistungen. Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern setzt eine ausdrückliche vorherige Einwilligung voraus; gegenüber Unternehmen gilt ein weniger strenger Maßstab — kein Freibrief.

Ebene 2 — konkreter sachlicher Anlass. Warum sollte gerade dieser Betrieb gerade diese Leistung brauchen? Branchenzugehörigkeit ist kein Anlass; ein sichtbarer Umbau, eine Übergabe, ein auslaufender Vertrag sind Anlässe.

Ebene 3 — Kanal. Besuch, Geschäftsbrief, vereinbarter Rückruf und Werbe-E-Mail stehen rechtlich nicht auf derselben Stufe. Und was datenschutzrechtlich sauber organisiert ist, ist damit nicht wettbewerbsrechtlich erlaubt; die Prüfungen laufen nebeneinander.

Eine Ampel mit einem Pauschalurteil je Kontaktweg findest du nicht — sie verführt dazu, den Einzelfall zu überspringen. Die Tabelle in Kapitel 6 von „Aus Anfragen werden Aufträge” sagt je Weg nur, was auf den drei Ebenen offen ist.

Drei Grundsätze gelten durchgehend. Kontaktdaten sind keine Einwilligung — auch nicht die Durchwahl, die dir jemand im Haus genannt hat. Die Erlaubnis des Empfehlers ist nicht die Erlaubnis des Empfängers: Sagt dein Kunde ja auf die Frage „Darf ich sagen, dass Sie mich empfohlen haben?“, ist das die Erlaubnis deines Kunden, seinen Namen zu nennen — nicht die Erlaubnis des Empfohlenen, kontaktiert zu werden. Eine Absage ist eine Absage: Nur eine tatsächlich vereinbarte Wiedervorlage rechtfertigt einen erneuten Kontakt. „Fragen Sie im Herbst noch einmal” ist eine Vereinbarung, „mal sehen” ist keine.

Und die Grenze, an der die meisten Vertriebsskripte scheitern: Ein „organisatorisch” formulierter Anruf bleibt Werbung, wenn er Werbezwecken dient. Nach § 5a UWG darf der kommerzielle Zweck nicht verschleiert werden; ein Skript, das ihn verstecken soll, ist kein Trick, sondern ein Risiko mit Anlauf. Wer ein Angebot abgegeben hat, erwirbt damit kein Anrufrecht. Und: Der Kanal E-Mail ist nicht das Problem, die unaufgeforderte Kaltmail ist es.

Die Normen: § 7 UWG (unzumutbare Belästigung, Einwilligung, enge Bestandskundenausnahme) und § 5a UWG (Verschleierung des kommerziellen Zwecks). Dieser Bereich wird durch Gerichtsentscheidungen laufend konkretisiert; IHK und Handwerkskammer beantworten solche Fragen für Mitglieder kostenfrei. Stand 7. Oktober 2026, keine Rechtsberatung — ob eine konkrete Ansprache zulässig ist, hängt vom Einzelfall ab.

Das waren Arbeitswerte, keine Argumente. Die Begründungen stehen dort, wo sie hergeholt sind: „Aufträge kommen nicht von allein”, Kapitel 1 (Begriffe, Novaks Durchrechnung), 8 (Planblatt), 9 (Nachweise) · „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 1 (Trichter), 6 (Kontaktwege), 9 (Objektaufnahme, Stoppuhr), 10 (Kalkulationsweg), 11 (Angebotsbausteine).

Stand 7. Oktober 2026. Alle Zahlen der drei Beispielbetriebe sind Modell — frei gewählte Annahmen, netto, Deutschland. Keine Branchenwerte und keine Zusage auf Aufträge, Umsatz, Einkommen oder den Zuschlag in einem Vergabeverfahren. Allgemeine Orientierung, keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung.

5 Bücher10 %bis zu 50 %

Lesen lohnt sich. Auch bei R Ultimate.

Diese fünf Titel zählen: Für Neukunden gibt jedes Buch 10 % auf die Paketgebühr von Starter, Business oder Premium im ersten Jahr. Einrichtung, Enterprise und Zusatzkosten sind ausgenommen.

Deinen Buchvorteil berechnen
Vier Praxisbände vollständig online lesen – mit Kapiteln, Beispielen und Abbildungen.Ausgaben & Bezugsquellen

Persönlich für dich da

Eine Frage?
Wir hören zu.

Salih Daglar
Salih Daglar*Unternehmer & Gründer

Rebecca & Ivonna sind auch für dich da.

Rebecca*
Ivonna*

Unser Team →

Schreib uns ein paar Zeilen.

Ich möchte mehr erzählen

Hier ist Platz für dein Vorhaben. Alle weiteren Angaben sind freiwillig.

Du prüfst den Entwurf und sendest ihn in deinem Mailprogramm. * Pflichtfelder. Datenschutz

Telefon, Büro & Kontakt →