In Kapitel 8 hast du aus einer Anfrage einen Termin gemacht. Jetzt stehst du vor der Tür. Und hier liegt der Punkt, den die meisten Betriebe übersehen: Der Kunde kauft keine Reinigung, die er noch nicht gesehen hat — er kauft den Eindruck, den du in diesen 45 Minuten machst. Er kann deine Leistung nicht prüfen, das wissen wir aus Kapitel 9 von „Aufträge kommen nicht von allein”. Was er prüfen kann, ist, wie du arbeitest, wenn du ein Objekt aufnimmst.
Zwei Betriebe besichtigen dasselbe Treppenhaus. Der erste geht hoch, sagt zweimal „ja, das ist machbar”, nennt eine Zahl aus dem Bauch und ist nach zwölf Minuten wieder draußen. Der zweite misst drei Flächen, zählt die Stufen, fragt, wer morgens aufschließt, fotografiert eine beschädigte Versiegelung im zweiten Obergeschoss und sagt am Ende: „Ich habe 142 Stufen, zwei Bodenarten und ein Problem mit der Versiegelung. Das Angebot haben Sie Donnerstag.”
Der erste war schneller. Der zweite hat gerade seine Leistung vorgeführt, ohne einen Lappen anzufassen.
Sieben Blöcke, und kein Objekt ohne alle sieben
Eine Objektaufnahme ist eine Aufnahme, nicht ein Gespräch mit Notizen. Sie hat sieben Blöcke, und jeder einzelne ist einmal ein Preis geworden, der nicht gestimmt hat. Druck dir das Blatt aus — Arbeitshilfe 10 — und arbeite es ab. Auswendig vergisst du beim fünften Objekt den fünften Block.
1. Nutzung. Was passiert in diesen Räumen, wie viele Menschen sind da, und wann? Eine Bürofläche mit zwölf Arbeitsplätzen und eine mit zwölf Besucherplätzen verschmutzen völlig verschieden. Frag nach Stoßzeiten, nach Publikumsverkehr, nach Essen am Platz, nach Haustieren, nach Homeoffice-Tagen. Und frag, ob sich das in den nächsten zwölf Monaten ändert — eine Fläche, die halb leer steht, wird wieder voll.
2. Flächen. Je Raumart und je Bodenart, selbst gemessen. Nicht die Zahl aus dem Mietvertrag, nicht die Quadratmeter aus der Anfrage. Die Reinigungsfläche ist nicht die Mietfläche: Schränke, Regale, Maschinen und fest verbaute Möbel stehen darauf, und Treppenhäuser, Flure, Keller, Technikräume, Aufzugskabinen und Eingangsbereiche fehlen in Papieren mit großer Verlässlichkeit. Dieselbe Warnung steht in Kapitel 5 von „Vom Auftrag zum Unternehmen” für Raumbücher in Ausschreibungen, aus demselben Grund.
3. Frequenz. Der Turnus, je Raumart getrennt. In einem Büro sind Sanitärbereiche fast nie im gleichen Takt wie Besprechungsräume. Notiere drei Ebenen: was in jedem Gang passiert, was wöchentlich oder monatlich dazukommt (Türen, Heizkörper, Sockelleisten, Glasflächen innen) und was einmal oder zweimal im Jahr als Grundreinigung ansteht. Der dritte Punkt ist derjenige, über den später gestritten wird.
4. Zugang. Wer schließt auf, oder bekommst du einen Schlüssel oder Transponder? Gibt es eine Alarmanlage, und wer ist auf der Aufschaltliste? In welchem Zeitfenster darf gereinigt werden? Wo parkt das Fahrzeug, und kostet das? Gibt es einen Putzraum mit Wasseranschluss und Steckdose — und wenn nicht, wo holst du Wasser? Wo steht der Müll, und wer bringt ihn raus? Jeder dieser Punkte ist Zeit, und Zeit ist der Preis. Der Schlüssel selbst ist kein Nebenthema: Deckungssumme und Quittung stehen in Kapitel 9 von „Aufträge kommen nicht von allein”, und die Frage nach elektronischen Zutrittsmedien kostet dich hier genau einen Satz.
5. Risiken. Empfindliche Böden — unversiegeltes Linoleum, Naturstein, Parkett, Teppich in Verkehrsflächen, Sicherheitsböden in Sanitärbereichen. Technik, die nicht nass werden darf. Höhen über Leiterhöhe. Alleinarbeit in abgelegenen Objekten. Tagesreinigung bei laufendem Betrieb. Baustellen im Haus. Und der Block, der dich bares Geld kostet, wenn du ihn auslässt: vorhandene Schäden. Jeder Kratzer, jede stumpfe Stelle, jeder Fleck, der schon da ist, wird fotografiert und mit Datum abgelegt — bevor du anfängst. Was in Kapitel 9 von „Aufträge kommen nicht von allein” über Tätigkeits- und Obhutsschäden steht, entscheidet sich an diesen Fotos.
6. Abnahme. Wer kontrolliert, nach welchem Maßstab, wie oft? Was gilt als Mangel? In welcher Zeit musst du nacharbeiten? Wird das dokumentiert, und wo? Diese Fragen wirken im Besichtigungstermin übervorsichtig und sind der Grund, warum du in einem Jahr noch dort bist. Wer keinen Maßstab verabredet, bekommt den Maßstab des Unzufriedensten.
7. Schnittstellen. Wer macht, was du nicht machst — und wo liegt die Grenze? Hausmeister, Winterdienst, Grünpflege, Glasreinigung außen, Entsorgung, Fachfirmen. Und zwei Fragen, die regelmäßig vergessen werden: Wer stellt das Verbrauchsmaterial — Seife, Papierhandtücher, Toilettenpapier, Müllbeutel? Und was genau hat der Vorgänger gemacht, auch das, was in keinem Vertrag stand? Der Hausmeister, der bisher freitags die Eingangstür gewischt hat, ist eine Schnittstelle. Wenn er aufhört, ist es deine Fläche.