Die Frage dieses Kapitels: Was darf auf diesen Boden — und wer sagt dir das verbindlich?
Petra Novak hat drei Verwaltungsgebäude übernommen, in zwei davon liegt Linoleum aus den neunziger Jahren, grau geworden, mit Laufstraßen. Der Chemielieferant empfiehlt einen Grundreiniger, der „für alle wasserfesten Hartböden geeignet” sei; der Hausmeister sagt, der Vormieter habe immer „den Starken” genommen. Sie muss sich vor der ersten Maschine entscheiden: Entscheidet sie falsch, pudert in sechs Monaten die neue Beschichtung ab, und sie bekommt die Rechnung. (Novak Gebäudeservice ist, wie Acar und Hoffmann, ein erfundener Beispielbetrieb dieser Reihe.) Die Antwort steht nicht im Datenblatt des Reinigers, sondern in der Reinigungsanweisung des Belagsherstellers.
Vorweg: Wer die Grenze setzt
Es gibt keine Norm, die pro Belag einen zulässigen pH-Bereich festschreibt; es gibt Beschaffungskriterien der öffentlichen Hand und Herstellerangaben.1 Daraus folgt die einzige belastbare Faustregel: Der zulässige pH-Bereich ergibt sich aus der Reinigungsanweisung des Belagsherstellers, nicht aus dem Reinigerdatenblatt. Belagshersteller nennen Grenzen, weil an ihnen die Gewährleistung hängt; Chemieanbieter nennen Produktwerte.
Dazu eine berufsgenossenschaftliche Pflicht, unabhängig von jedem Hersteller: „Reinigungsverfahren und Reinigungsmittel müssen auf den Bodenbelag abgestimmt sein.”2
Elastische Beläge
Linoleum
Linoleum ist der empfindlichste der verbreiteten elastischen Beläge — und der, bei dem die Quellen am klarsten und gleichzeitig am widersprüchlichsten sind.
pH-Grenze. Forbo gibt für seine Linoleumbeläge Reinigungsmittel mit pH unter 9 vor, Automatenreiniger eingeschlossen.3 Tarkett sagt dasselbe von der anderen Seite: Alkalische Reiniger mit pH über 9,0 greifen Linoleum an.4 Ein Geräte- und Chemieanbieter nennt dagegen erst „stark alkalische Reiniger (pH über 10)” als kritisch.5
Der Widerspruch gehört offen ins Buch. Die beiden Belagshersteller stimmen überein; der großzügigere Wert kommt von einem Anbieter, der den Belag nicht herstellt und keine Gewährleistung trägt. Für die Praxis gilt pH unter 9. Der Konflikt ist aber größer als eine Zahl: Ein als Linoleum-Grundreiniger ausgewiesenes Produkt hat laut Datenblatt pur etwa pH 9,95, ein zweiter, für Linoleum ausdrücklich freigegebener liegt bei pH 9,5 bis 10.6 Beide liegen über der Herstellergrenze. Ungeklärt ist, ob Forbo und Tarkett ihre Grenze auf die Anwendungskonzentration oder auf die Dauerbelastung beziehen; das ist vor Drucklegung bei den Belagsherstellern zu klären.
Reguläre Reinigung. Lose Verschmutzung saugen oder feucht wischen, haftenden Schmutz nebelfeucht einsprühen und mit saugfähigen Textilien aufnehmen; Gehspuren mit der Spray-Cleaner-Methode entfernen und regelmäßig polieren.7 Eine Erstpflege ist bei intakter Oberfläche nicht erforderlich, und die werkseitige Oberflächenausrüstung darf bei der Bauendreinigung nicht und soll bei der Grundreinigung nicht entfernt werden;8 Forbo verbietet das für seine Werksvergütung ebenso und nennt eine zusätzliche Einpflege „generell nicht erforderlich”.9 Die Nassgrundreinigung ist bei Linoleum das letzte Mittel — nur, wenn eine Pflegesanierung nicht mehr möglich ist; danach mit klarem Wasser nachspülen und je nach Witterung 12 bis 24 Stunden trocknen lassen.10
Was Linoleum zerstört. Scheuerpulver, Säuren, Sanitärreiniger und starke Lösemittel sind ausgeschlossen,11 dazu Schmierseife und alkalische Reiniger über pH 9.12 Feuchtigkeit unter Möbeln ist zu vermeiden, Kontaktpunkte sind mit migrationsfesten Unterlagen zu schützen.13 Die teuersten Schäden entstehen aber gar nicht beim Reinigen: Eingefärbte Wund- und Hautdesinfektionsmittel wie Povidon-Jod-Präparate können dauerhafte Verfärbungen verursachen, ebenso eingefärbter Gummi und Terrakotta; bei Lösemitteln, Medikamenten, Desinfektionsmitteln, Haarfärbemitteln und Bleichmitteln ist vorab zu testen.14 In Praxis, Pflegeheim und Friseurbetrieb sind Jod, Haarfarbe und schwarze Gummifüße die häufigeren Schadensursachen als jedes Wischwasser.
PVC, Vinyl und Designbeläge
Hier ist es fast umgekehrt. PVC ist gegenüber stark alkalischen Reinigern und mechanischer Beanspruchung robust;15 PVC, CV und Polyolefin gelten als alkalibeständig und sind sogar für Grundreiniger mit pH um 14 freigegeben.16 Eine untere Grenze nennt keine der eingesehenen Quellen — belegt ist nur die Richtung: Saure Reiniger können PVC verfärben.17 Zu vermeiden sind organische Lösemittel; außerdem ist PVC wärmeempfindlich und vor Hitzeeinwirkung zu testen.18
Das wichtigste Schadensbild bei hellen Vinyl- und Designbelägen heißt Migration: Schuhcreme, Filzstiftspuren und Lebensmittelfarben wandern in die Oberfläche ein. Früh behandelt lässt sich das noch retten, ist der Fleck eingezogen, ist die Entfernung oft nicht mehr möglich.19 Das ist ein Materialschaden, kein Reinigungsmangel — und der Grund, warum Fußmatten mit schwarzem Rücken gelbe Schatten hinterlassen. Dazu der Punkt, der moderne Klicksysteme betrifft: Bei schwimmend oder schlecht verklebten Belägen, besonders bei Designbelägen der LVT-Bauart, kann unkontrolliert eindringendes Wasser Schäden verursachen; Lösungsmenge und Einwirkzeit sind niedrig zu halten.20 Eine Grundreinigung mit normaler Flottenmenge ist dort die häufigste Schadensursache: Der Belag quillt in den Fugen auf und steht hoch.
Regulär wird zweistufig gearbeitet: saugen, dann nasswischen, Ränder zuerst, dann von der entfernten Ecke zur Tür; Holzoptik immer in Faserrichtung.21
Kautschuk
Kautschuk ist „sehr widerstandsfähig, aber empfindlich gegen stark alkalische Reiniger (pH über 10)“, und saure Reiniger können Verfärbungen verursachen.22 Dazu passen die Grundreiniger-Datenblätter: Vom Produkt mit pH um 14 ist Gummi ausgeschlossen, das mildere mit pH 9,5 bis 10 ausdrücklich zugelassen.23 Linoleum und Kautschuk gehören bei der Grundreinigung in dieselbe Schublade: milder Grundreiniger, kein Stripper mit pH 14.
Bei der Erstreinigung wird bei starker Baustellenverschmutzung maschinell nass gescheuert und mit klarem Wasser nachgescheuert; bei rutschhemmenden Bahnen der Klasse R11 ist eine weiche Scheuerbürste ohne Abrasivstoffe zu verwenden.24 Beim Polieren zeigt sich außerdem, wie wenig das Wort „Einscheibenmaschine” aussagt: Für Kautschukfliesen werden 1000 bis 1500 Umdrehungen je Minute genannt, bei hochdruckgepressten Fliesen 300 bis 800,25 für Linoleum mindestens 300 beziehungsweise 400.26 Die Drehzahl gehört in jede Arbeitsanweisung; mehr in Kapitel 14.
Offener Punkt: Zu Schäden durch Lösemittel, Öle und Fette auf Kautschuk ließ sich keine Quelle finden; die Dokumente des bekanntesten Herstellers waren beim Abruf nicht erreichbar.27
Mineralische Beläge
Naturstein, kalkhaltig
Marmor, Travertin, Jura- und Solnhofer Platten sind weich bis mittelhart und säureempfindlich. Marmor ist für Küchen und Sanitärbereiche ungeeignet, weil ihn schon Cola, Mineralwasser und saure Reiniger schädigen können; es drohen Verätzungen und Farbtonänderungen.28 Das Schadensbild steht in Kapitel 6; hier reicht der Satz: Jeder Sanitärreiniger auf einer Marmorfensterbank ist ein Totalschaden auf der behandelten Fläche.
Bei den Alkalien ist die Sache feiner. Reiniger mit pH über 12 können auf polierten mittelharten Belägen in Kombination mit zu harten Bürsten oder Pads zu Mattigkeit führen.29 Nicht die Chemie allein ist das Problem, sondern Chemie plus Mechanik. Und bei der Unterhaltsreinigung gilt: nicht zu nass wischen, weil Metalloxide im Stein Rost bilden können; Überdosierung von Pflegemittel erzeugt Wischspuren und Mattigkeit.30
Zementschleier wird auf säureempfindlichem Stein in der Einschrittmethode entfernt, damit die Säure nur wenige Sekunden einwirkt; Vortest an verdeckter Stelle ist Pflicht, und die Fugen sind vorher mit klarem Wasser zu sättigen.31 Zur Sanierung wird kalkgebundener Stein mit Diamantpads in zwei bis drei Schritten und nur mit klarem Wasser poliert.32 Offener Punkt: Zur Imprägnierung und Hydrophobierung von Naturstein wurde keine belastbare Quelle gefunden.33
Naturstein, silikatisch — und das Sammelwort „Granit”
Granit, Gneis, Quarzit und Basalt sind hart und kratzfest; Granit gilt als „gegen alle gebräuchlichen Reinigungsmittel unempfindlich” und ist auch für stark beanspruchte Außenbereiche geeignet.34 Praktische Folge: Auf Granit ist beim Zementschleier eine Zweischrittmethode mit etwa fünf Minuten Einwirkzeit möglich — auf kalkhaltigem Stein gehen nur Sekunden.35
Zwei Einschränkungen. Erstens die Ausnahme Schiefer: Starke Säuren können Verfleckungen verursachen, starke Alkalien lassen Schiefer „ausbluten”; Dispersionsfarbe ist dort rein mechanisch mit Holzspatel oder Klinge zu entfernen.36 Zweitens, und das ist die wichtigere: „Granit” ist im Handel ein Sammelbegriff. Viele so verkaufte Platten sind geologisch etwas anderes und können kalkhaltige Anteile führen. Die Quelle sagt, Granit sei unempfindlich — nicht, dass alles unempfindlich ist, was Granit genannt wird. Der Vortest gilt deshalb auch hier.
Feinsteinzeug und Keramik
Die beste Quelle ist hier ein Verbandsmerkblatt. Danach wird in der Unterhaltsreinigung mit neutralen oder schwach alkalischen Reinigern gearbeitet, immer rückstandsfrei; die Grundreinigung arbeitet mit sauren oder stärker alkalischen Reinigern, unterstützt von Bürsten und einer Einwirkzeit von etwa einer Viertelstunde, wobei das Schmutzwasser restlos entfernt werden muss. Die Bauschlussreinigung gehört in die Hand einer Fachfirma und erst in den Zeitpunkt, in dem alle anderen Gewerke fertig sind.37 Numerische pH-Werte nennt das Merkblatt nicht, nur die Kategorien sauer, neutral, schwach und stark alkalisch. Keine belastbare Quelle für pH-Zahlen auf Feinsteinzeug gefunden.
Der entscheidende Satz betrifft nicht die Fliese, sondern die Fuge: „Die meist zementgebundene Verfugung des Fliesenbelages ist jedoch nicht säurebeständig.”38 Was daraus folgt, steht in Kapitel 6. Weiter nennt das Merkblatt als Schadensursachen Überdosierung und liegengebliebene Rückstände, Hochdruckreiniger und Scheuerpads sowie Tausalz, und es stellt klar, dass Keramikfliesen und Zementfugen nicht wasserdicht sind.39 Epoxidharzfugen sind in der Regel widerstandsfähig, dürfen aber nicht über 75 Grad belastet werden.40
Dazu eine Regel, die fast immer gebrochen wird: desinfizieren erst, wenn der Boden vollständig getrocknet ist, sonst wird das Desinfektionsmittel verdünnt.41
Beton und Zementestrich
Starke Alkalien mit pH über 10 können bei hochglänzenden Belägen eine matte Oberfläche verursachen; eine pH-Empfehlung für Reinigungsmittel nennt die Quelle nicht.42 Säuren erzeugen eine „waschbetonähnliche Struktur”, und der Boden wird dadurch rauer und schwerer zu reinigen.43 Unvergüteter Zementestrich staubt leichter; hier ist nur die Einschrittmethode geeignet, und die Feuchtigkeit muss sofort abgesaugt werden.44 Für die Unterhaltsreinigung werden rote Pads mit reduziertem Anpressdruck und niedriger Drehzahl genannt, für die Grundreinigung grüne mit vollem Anpressdruck.45
Und ein Satz, der über die Materialfrage hinausgeht: Raue Oberflächen erhalten keine Einpflege, weil sie die Rutschhemmung mindern würde; bei ableitfähigen oder rutschhemmenden Beschichtungen und auf Flächen mit Lebensmittelkontakt ist eine Pflegeversiegelung ausgeschlossen.46 Das ist nicht nur Gewährleistung, sondern Arbeitsschutz; mehr in Kapitel 6.
Holz
Parkett, versiegelt und geölt
Hier musst du eine Lücke aushalten. Die belastbarste Zahl aus den Datenblättern ist der pH-Wert 7,2 eines Parkett-Neutralreinigers.47 Das ist ein Produkt-pH, keine Toleranzgrenze des Belags. Eine Quelle, die für Parkett einen zulässigen pH-Bereich nennt, wurde nicht gefunden. Dass Neutralreiniger das Mittel der Wahl sind, ist über die Produktausrichtung belegt, nicht über einen Grenzwert.
Der Hauptfeind ist ohnehin nicht die Chemie, sondern Wasser. Die Anwendungsanweisung lautet durchgehend „feucht (nicht nass)“, für Unterhalts- wie für Grundreinigung.48 Bei versiegelten Holzböden sind Wassermenge und Einwirkzeit niedrig zu halten, unvernetzte Lacke dürfen nicht genässt werden.49 Unversiegeltes Holz und Kork sind wasserempfindlich und von lösemittelhaltigen Grundreinigern ausgenommen,50 Pflegedispersionen sind für Holz und unversiegeltes Parkett ungeeignet.51
Der Unterschied versiegelt zu geölt wird an einer Stelle hart: Nach der Grundreinigung müssen geölte Böden mit dem Öl-Wachs-System nachgeölt werden.52 Dazu die Sperrfristen, die jede Terminkette bestimmen: Frisch versiegelte Flächen dürfen erst nach Erreichen der Endfestigkeit gereinigt werden, frisch geölte erst nach 12 Stunden, bei bestimmten Ölen erst nach 4 bis 7 Tagen.53 Wer eine Baufeinreinigung direkt hinter den Parkettleger terminiert, macht die Oberfläche kaputt. Offener Punkt: Ein Merkblatt eines Parkettverbandes zu Reinigung und Pflege wurde nicht gefunden.54
Laminat
pH-Bereich: keine Angabe in der Quelle, keine belastbare Quelle gefunden.55 Belegt ist dafür eine klare Verbotsliste: stehendes Wasser verursacht Quellschäden, es ist nur nebelfeucht und sparsam zu arbeiten; Dampfreiniger sind ausdrücklich verboten, Scheuermittel, Wachs und Politur ebenso; filmbildende Pflegemittel sind zu vermeiden, und eine Einpflege entfällt; abrasiv wirkende Mikrofasertücher sind nicht zu verwenden; Sand wirkt wie Schleifpapier, weshalb Sauberlaufzonen an Außentüren gehören.56 Quellschäden zeigen sich als Verformungen und Verfärbungen, an den Plattenkanten stehen die Fugen auf; zu niedrige Luftfeuchte erzeugt umgekehrt Schwundfugen. Empfohlen werden etwa 20 Grad bei 50 bis 65 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit, bei Fußbodenheizung höchstens 26 Grad Oberflächentemperatur.57
Die Kernaussage lautet: Laminat wird nicht gepflegt, sondern nur gereinigt. Jede Pflegeschicht ist ein Fehler, keine Leistung — und dieselbe Logik gilt für werksvergütete Linoleum- und Designbeläge, deren Oberflächenausrüstung nicht entfernt werden darf.58 Der große Streit darüber — Norm empfiehlt, Behörde warnt, Belagshersteller verbieten — steht in Kapitel 7.
Textile Beläge
Begriffe. Die Begriffsnorm RAL 991 A3 (Ausgabe 2005-01) unterscheidet Unterhaltsreinigung — regelmäßiges Entstauben und Fleckentfernung — und Intensivreinigung, also alles darüber hinaus, nötig, wenn die Unterhaltsreinigung kein befriedigendes Ergebnis mehr bringt. Die Definition textiler Bodenbeläge steht in DIN ISO 2424.59
Konstruktionen. Velours gibt es als Kurz- und Hochflor, wobei Hochflor eher für wenig belaufene Bereiche geeignet ist; Kräuselvelours ist durch gezwirntes Garn robust und zeigt Trittspuren kaum; beim Schlingenflor bleiben die Schlaufen erhalten.60 Zu Nadelfilz enthalten die eingesehenen Quellen keine eigene Aussage — eine Lücke, die dieses Buch nicht füllt.61
Und ein Befund, der einer beliebten Lehrbuchtabelle widerspricht: Welches Verfahren zu welcher Polart passt, geben die belastbaren Quellen nicht an. Sie differenzieren nach Feuchtigkeitsempfindlichkeit von Rücken, Kleber und Untergrund, nicht nach Florart.62 Zu prüfen sind daher vor jedem Verfahren Untergrund, Kleber, Teppichrücken, Trägermaterial und Nutzschicht; die Fußbodenheizung ist abzustellen, damit das Mittel nicht antrocknet.63
Die Verfahren und die Trockenzeiten. Belegt sind nur wenige Zeitangaben, und genau die stehen hier.
| Verfahren | Tiefenwirkung | Trocknung und Hinweise |
|---|---|---|
| Trockenpulver | begrenzt | wenig Feuchtigkeit, im laufenden Betrieb einsetzbar; keine Zahl belegt |
| Padreinigung | keine — „nur optische Verbesserung” | „kurze Trocknung”, keine Zahl belegt; Pad vorher benetzen, sonst Reibungsschäden |
| Trockenschaum | keine | klebrige Rückstände können schnellere Wiederanschmutzung verursachen |
| Sprühextraktion | bis zum Träger | mindestens 24 Stunden, Fußbodenheizung während der gesamten Trocknung aus |
| Shampoonierung | ja | Schaum und gelöster Schmutz vollständig absaugen; keine Zahl belegt |
Verfahrens- und Trocknungsangaben dieser Tabelle nach der Begriffsnorm RAL 991 A3, wiedergegeben über eine Fachverlagsquelle;64 der Hinweis zum Benetzen des Pads und die Angabe von 60 bis 120 Minuten für das Kapselverfahren stammen von einem Gerätehersteller.65
Die mindestens 24 Stunden bei der Sprühextraktion sind die einzige harte, normnahe Zahl im ganzen Teppichthema — und sie entscheidet die Einsatzplanung: Ein Büro, das montags wieder genutzt wird, kann nicht Sonntagabend sprühextrahiert werden. Beim Shampoonieren kommt eine Spannung dazu: Es wirkt in die Tiefe, verlangt aber tensidhaltige Mittel, deren Rückstände im Belag die Wiederanschmutzung oft verstärken; deshalb wird die Pad-Methode mit tensidfreien Mitteln bevorzugt — eine Aussage, die von einem Anbieter der Alternative stammt.66
Was Teppich zerstört. Durchnässung kann Quellung, Formveränderung, Schimmelbildung und den Verlust der Klebkraft verursachen, und Rücken aus PU-Schaum speichern Nässe; Jute schrumpft bei Durchnässung und Trocknung und kann gelblich färben; Natur- und Eiweißfasern reagieren bei beheizter Sprühextraktion ab 40 Grad empfindlich, und gegenüber Mitteln mit pH unter 3 sind sie empfindlich — Säure kann weiß-gelbe Flecken hinterlassen.67 Nicht der Flor schrumpft also, sondern der Rücken: Juterücken plus zu nass gefahrenes Extraktionsgerät ergibt den Belag, der sich von der Fußleiste wegzieht.
Zwei Begriffe zum Schluss. „Bonnet” ist ein Branchenbegriff ohne Normgrundlage und meint dasselbe wie Padreinigung.68 Und Shading im Velours ist eine Florlageveränderung, kein Schmutz; keine Reinigung behebt sie.69
Die Übersicht
| Belagsgruppe | Zulässiger pH-Bereich und Absender |
|---|---|
| Linoleum | unter 9 (Forbo, Tarkett); „über 10” nur beim Chemieanbieter |
| PVC, Vinyl, LVT | alkalibeständig; untere Grenze nicht belegt |
| Kautschuk | nicht über 10; zugelassen 9,5 bis 10, nicht pH 14 |
| Marmor, Kalkstein, Travertin | säureempfindlich; über pH 12 plus harte Pads matt |
| Granit, Hartgestein | „gegen alle gebräuchlichen Reinigungsmittel unempfindlich”; Schiefer ausgenommen |
| Feinsteinzeug, Keramik | keine Zahlen belegt, nur Kategorien; Zementfuge nicht säurebeständig |
| Beton, Zementestrich | über pH 10 bei Hochglanz matt |
| Parkett, Holz | nicht belegt; pH 7,2 ist ein Produktwert |
| Laminat | nicht belegt |
| Teppich | Naturfasern empfindlich unter pH 3 |
Die Tabelle fasst die oben einzeln belegten Grenzen zusammen; sie ist selbst keine Quelle. Was jeder dieser Beläge nicht verzeiht, steht in Kapitel 6.
Als Inhaber: Die Belagsgrenze bringt dir niemand — du musst sie holen. Lass dir für jedes Objekt die Reinigungs- und Pflegeanweisung des Belagsherstellers geben und lege sie in die Objektmappe; sie ist die Grundlage dafür, dass Verfahren und Mittel auf den Bodenbelag abgestimmt sind, wie es die berufsgenossenschaftliche Regel verlangt.70 Dieselbe Regel verlangt zwei Dinge, die leicht untergehen: Es ist zu prüfen, ob ein Belag überhaupt ein Pflegemittel braucht — Beläge ohne diesen Bedarf „sollten nur gereinigt werden” —, und nach Wischpflegemitteln mit rutschhemmenden Bestandteilen soll nicht nachpoliert werden. Reinigung gehört in die verkehrsarme Zeit, feucht gereinigte Bereiche sind mit dem Warnzeichen W28 zu kennzeichnen, solange Rutschgefahr besteht, und die Einhaltung der Pflegeanleitungen ist regelmäßig zu überprüfen.71 Praktisch: ein Blatt je Objekt mit jedem Belag, seiner Grenze und seinem Verfahren — unterschrieben von der Kraft, die danach arbeitet. Was daraus Vertrags- und Nachweisfrage wird, steht in Vom Auftrag zum Unternehmen, Kapitel 4.
Die typische Fehlentscheidung
Die typische Fehlentscheidung ist, dem Reinigerdatenblatt zu glauben statt der Reinigungsanweisung des Belagsherstellers. Im Alltag klingt sie so: „Das Mittel ist für alle wasserfesten Hartböden freigegeben.” Genau dieser Satz steht auf dem Datenblatt eines Grundreinigers, der mit pH 9,95 über der Grenze beider Linoleumhersteller liegt — freigegeben hat ihn der Verkäufer, nicht der Hersteller des Belags.
Die zweite Spielart ist die erfundene Zahl. Für Parkett, Laminat und Feinsteinzeug liegt keine belegte pH-Grenze vor. Wer trotzdem eine nennt, hat sie geschätzt oder aus einem Produktdatenblatt abgeschrieben, wo sie etwas anderes bedeutet.
Deine nächste Aufgabe
- Vor dem nächsten Objektstart, 30 Minuten: Schreibe jeden Bodenbelag auf, Raum für Raum; bei Unsicherheit frage nach Verlegeunterlagen. „Stein” und „Kunststoff” sind keine brauchbaren Einträge.
- Innerhalb einer Woche, eine Stunde: Besorge zu jedem Belag die Reinigungs- und Pflegeanweisung des Herstellers und notiere: zulässiger pH-Bereich, zulässige Verfahren, Verbote, Werksvergütung ja oder nein.
- Direkt danach, 20 Minuten: Vergleiche diese Grenzen mit den pH-Werten deiner Mittel aus Kapitel 4 und streiche jede Kombination, die nicht passt — vor allem hochalkalische Grundreiniger auf Linoleum und Kautschuk und jedes saure Produkt in Räumen mit kalkhaltigem Naturstein.
- Vor dem ersten Einsatz, 10 Minuten je Fläche: Lege den Vortest an verdeckter Stelle dort fest, wo Datenblatt oder Merkblatt ihn verlangen, und halte Datum, Fläche und Ergebnis fest.
- Bei Teppich, vor der Terminzusage: Rechne bei Sprühextraktion mit mindestens 24 Stunden Trocknung, Fußbodenheizung die ganze Zeit aus. Prüfe vorher Rücken, Kleber und Untergrund — bei Juterücken ein Verfahren mit weniger Feuchtigkeit wählen.
Zu diesem Kapitel
Status der Angaben: Belegt sind die pH-Grenze unter 9 für Linoleum (zwei Belagshersteller), die Alkalibeständigkeit von PVC/CV/Polyolefin, die Grenze „nicht über 10” für Kautschuk samt der Freigabe milder und dem Ausschluss hochalkalischer Grundreiniger, die Säureempfindlichkeit kalkhaltiger Natursteine und die Kombinationswirkung von pH über 12 mit harten Pads, die Unempfindlichkeit silikatischer Hartgesteine samt der Ausnahme Schiefer, die Kategorien (nicht die Zahlen) für Keramik, der Satz zur nicht säurebeständigen Zementfuge, die Schadensrichtung „Säure auf Beton” und „pH über 10 auf Hochglanz”, die Wasserempfindlichkeit von Parkett samt Sperrfristen und Nachölpflicht, die Verbotsliste für Laminat, die Begriffe nach RAL 991 A3 und DIN ISO 2424 sowie die Trockenzeit von mindestens 24 Stunden bei Sprühextraktion und 60 bis 120 Minuten beim Kapselverfahren. Ausdrücklich nicht belegt und im Text als Lücke benannt: ein zulässiger pH-Bereich für Parkett, Laminat und Feinsteinzeug; eine untere pH-Grenze für PVC; Lösemittel-, Öl- und Fettschäden auf Kautschuk; verfahrensspezifische Aussagen zu Nadelfilz; eine Verfahrenseignung nach Polart; Trockenzeiten für Shampoonieren, Trockenpulver und Padverfahren; Natursteinimprägnierung; ein Parkettverbands-Merkblatt. Der Linoleum-Widerspruch (pH unter 9 gegen pH über 10; Grundreiniger mit pH 9,5 bis 10 für Linoleum freigegeben) ist im Text als Widerspruch dargestellt, nicht geglättet. Keine Dosierangaben und keine Flächenleistungen in Quadratmetern je Stunde; sie sind produktspezifisch beziehungsweise nach Verbandsaussage nicht allgemein angebbar.
Vor Drucklegung zu prüfen: Herstellerauskunft von Forbo und Tarkett, ob sich die Grenze pH 9 auf das Konzentrat oder die Anwendungskonzentration bezieht und ob eine kurze Grundreinigung darüber liegen darf — davon hängt ab, ob die als linoleumgeeignet verkauften Grundreiniger mit pH 9,5 bis 10 regelkonform sind. RAL 991 A3 (Ausgabe 2005-01) und DIN ISO 2424 im Original einsehen; die Verfahrens- und Trocknungstabelle stammt aus einer Fachverlagsquelle. Reinigungsempfehlung und Begriffsdefinitionen von nora systems beschaffen (Kautschuk-Lücke); die Dokumente waren beim Abruf nicht erreichbar. Merkblatt „Reinigen, Schützen, Pflegen” des Fachverbandes Fliesen und Naturstein (14.09.2007) beschaffen. Ein Merkblatt eines Parkettverbandes beschaffen. Prüfen, ob die DGUV Regel 108-003 (April 1994, Fassung Oktober 2003) noch gilt oder durch die ASR A1.5/1,2 „Fußböden” in Teilen überholt ist; die ASR konnte nicht ausgewertet werden. Herausgeber und Datum der Reinigungsempfehlung für Bodenbeschichtungen (Rutschhemmung, Pflegeversiegelung) sind im Dokument nicht ausdrücklich genannt; diese Fundstelle ist nur eingeschränkt zitierfähig und vor Druck zu ersetzen. Merkblatt TMB 17 ist eine österreichische Verbandsquelle — prüfen, ob für Deutschland eine gleichwertige vorliegt.
Querverweise: Kapitel 2 (Reinigungsarten und ihre Grenzen) · Kapitel 3 (Feuchtigkeitsgrade und Wischverfahren) · Kapitel 4 (pH-Wert und Produktgruppen) · Kapitel 6 (Schadenskatalog) · Kapitel 7 (Schutz- und Pflegeschichten, Widerspruch um die Pflegeschicht) · Kapitel 8 (Glas, Sanitärkeramik, Edelstahl) · Kapitel 14 (Pads, Bürsten, Maschinen, Drehzahlen) · Vom Auftrag zum Unternehmen, Kapitel 4 (Nachweise für Vergabestellen)
Allgemeine Orientierung, keine Rechts-, Steuer- oder Arbeitsschutzberatung. Stand dieses Kapitels: 9. Oktober 2026.











