Die Frage dieses Kapitels: Was gibt es außer Google und Meta, und lohnt sich davon etwas für mich?
Die beiden großen Kanäle haben eigene Kapitel. Hier geht es um alles andere — und um die Erkenntnis, dass einige der wirksamsten Kanäle für einen Reinigungsbetrieb gar nicht digital sind.
LinkedIn: ein Verzeichnis, kein Anzeigenkanal
LinkedIn ist der einzige Kanal, auf dem du nach Funktion, Unternehmensgröße und Branche auswählen kannst. Theoretisch ist das genau, was du für Hausverwaltungen und Facility-Verantwortliche brauchst.
Praktisch scheitert es an der Rechnung. Das Mindest-Tagesbudget liegt bei zehn Dollar für jedes Anzeigenformat, für neue Kampagnen gilt ein Lebenszeit-Minimum von hundert Dollar; empfohlen werden für neue Werbetreibende fünfundzwanzig Dollar am Tag.1 Das ist nicht das Problem.
Das Problem ist die Größe deiner Zielgruppe. Ein Betrieb, der dreißig Objekte im Umkreis von fünfundzwanzig Kilometern betreut, hat vielleicht ein paar hundert relevante Entscheider in seinem Gebiet. Wenn du Ort, Branche und Funktion gleichzeitig einschränkst, fällt die geschätzte Reichweite unter die Mindestgröße, die die Plattform für eine Auslieferung verlangt. Und wenn du die Filter lockerst, zahlst du für Klicks aus ganz Deutschland.
Belastbare deutsche Klickpreise für diese Branche konnte ich nicht finden.
Mein Rat: Nutze LinkedIn als Rechercheverzeichnis, nicht als Anzeigenkanal. Du suchst dort nach Facility Managern, Objektleitern und Verwaltungsleitern in deinem Gebiet, findest heraus, wie die Person heißt, und rufst dann in der Zentrale an. Das kostet nichts und funktioniert besser als jede Anzeige.
Und wenn du selbst dort auftrittst: ein gepflegtes Unternehmensprofil mit echten Beiträgen, die zeigen, wie ihr arbeitet. Kein Werbetext.
Microsoft Advertising: der billige Zweitkanal
Microsoft betreibt die Suchmaschine Bing, und die ist in Deutschland deutlich kleiner als Google. Zwei Dinge sprechen trotzdem dafür, sie zu testen:
Erstens: Sie ist auf vielen Firmenrechnern die Voreinstellung. Wer im Büro arbeitet und mit dem vorinstallierten Browser sucht, landet oft dort. Für Gewerbekunden ist das genau deine Zielgruppe.
Zweitens: Der Aufwand ist fast null. Microsoft unterstützt den Import bestehender Google-Ads-Kampagnen. Du überträgst, was du ohnehin gebaut hast, und schaust eine Zeit lang zu.
Dokumentiert ist bei Microsoft nur die Budgetverteilung — ein Standardmodus, der das Tagesbudget um bis zu zwanzig Prozent überschreiten darf, und ein beschleunigter Modus.2 Ein Mindestbudget nennt die Dokumentation nicht. Belastbare Marktanteils- oder Klickpreiszahlen für Reinigung in Deutschland konnte ich nicht finden.
Einordnung: Kein eigener Plan, kein eigenes Budget. Ein Import und ein Blick nach drei Monaten.
Die Fahrzeugbeschriftung
Das ist der am meisten unterschätzte Kanal dieser Branche.
Ein beschriftetes Fahrzeug, das jeden Werktag morgens um sechs vor einem Bürogebäude steht, wird von jedem gesehen, der dort arbeitet. Es steht genau dort, wo deine Kunden sind, zu genau der Zeit, zu der sie an Reinigung denken. Du zahlst es einmal und es wirkt jahrelang.3
Was draufgehört:
- Firmenname, groß genug, um aus zwanzig Metern lesbar zu sein
- Eine Telefonnummer, groß
- Die Webadresse
- Zwei bis drei Leistungen, nicht acht
- Der Ort oder die Region
Was nicht draufgehört: eine E-Mail-Adresse, die niemand abschreibt. Eine Liste mit zwölf Leistungen. Ein Spruch. Ein Hintergrundbild, das die Schrift unlesbar macht.
Der Test: Fahr an deinem eigenen Fahrzeug vorbei und schau, was du in drei Sekunden liest. Mehr als drei Informationen sind zu viel.
Arbeitskleidung
Dieselbe Logik, kleineres Format. Deine Leute sind in Gebäuden unterwegs, in denen Menschen arbeiten. Einheitliche Kleidung mit Firmennamen bewirkt zweierlei: Sie macht dich sichtbar, und sie macht deine Leute erkennbar als jemanden, der dort sein darf.
Das zweite ist wichtiger, als es klingt. In einem Bürogebäude, in dem fremde Menschen mit Schlüsseln unterwegs sind, ist Erkennbarkeit ein Sicherheitsthema — und ein Verkaufsargument gegenüber dem Objektverantwortlichen.
Branchenbücher und Eintragungsdienste
Hier musst du aufpassen.
Kostenlose Einträge in seriösen Verzeichnissen schaden nicht und helfen bei der lokalen Auffindbarkeit ein wenig. Mach sie, aber erwarte nichts.
Kostenpflichtige Eintragungsdienste sind in dieser Branche ein verbreitetes Geschäftsmodell, und ein Teil davon arbeitet mit Methoden, die du kennen solltest: Rechnungen für Einträge, die nie bestellt wurden; Formulare, die wie eine Korrekturbitte aussehen und in Wahrheit ein Vertragsangebot sind; Anrufe, bei denen eine Zustimmung aufgezeichnet wird.
Die Regel: Unterschreib nichts, was per Fax oder Brief ins Haus kommt und nach Korrektur aussieht. Bestätige am Telefon keine Verträge. Und prüfe bei jedem kostenpflichtigen Angebot dieselben Punkte wie bei einem Portal: Laufzeit, Kündigungsfrist, automatische Verlängerung, und was du messbar davon hast.
Flyer und Postwurf
Für Gewerbekunden: fast wirkungslos. Ein Flyer im Briefkasten eines Bürogebäudes erreicht die Poststelle, nicht den Entscheider.
Für Privathaushalte: kann funktionieren, in engen Grenzen. Wenn du einen Flyer machst, dann nicht als Streuwurf über die halbe Stadt, sondern gezielt in den Straßen, in denen du ohnehin arbeitest. Mit einem konkreten Angebot und einem Preisrahmen, nicht mit „wir reinigen alles”.
Eine Variante, die besser funktioniert: ein kurzer, persönlicher Brief an einen namentlich bekannten Empfänger in einem Gewerbebetrieb. Nicht Postwurf, sondern Post. Das liest jemand.
Sponsoring und lokale Sichtbarkeit
Der Sportverein, das Stadtfest, die Freiwillige Feuerwehr. Das bringt keine direkten Anfragen, und wer es als Werbung rechnet, wird enttäuscht.
Was es bringt, ist etwas anderes: Bekanntheit am Ort und Glaubwürdigkeit als Betrieb, der dazugehört. Bei kommunalen Auftraggebern und bei Hausverwaltungen ist das kein Nachteil.
Rechne es ehrlich: Das ist kein Marketingbudget mit Rendite. Das ist eine Entscheidung darüber, wie du in deinem Ort auftreten willst. Wenn du sie so triffst, ist sie in Ordnung. Wenn du Anfragen davon erwartest, nicht.
Das Branchennetzwerk
Die Innung, die Handwerkskammer, der Unternehmerstammtisch, das Gewerbeverein deines Stadtteils.
Für Aufträge direkt bringt das wenig. Für drei andere Dinge bringt es viel: Du erfährst, was in deiner Region ausgeschrieben wird. Du findest Subunternehmer, wenn deine Kapazität nicht reicht. Und du findest Kollegen, die dir ein Objekt abgeben, das ihnen zu klein oder zu weit weg ist.
Der letzte Punkt wird unterschätzt. Ein Kollege, der dreißig Kilometer entfernt sitzt und eine Anfrage aus deinem Stadtteil bekommt, gibt sie lieber weiter als abzulehnen — wenn er weiß, wem.4
Was ich dir nicht empfehlen würde
- Radiowerbung und Zeitungsanzeigen. Große Streuung, kein Zielgruppenbezug, kaum messbar.
- Gekaufte Bewertungen. Siehe Kapitel 14 von „Aufträge kommen nicht von allein”.
- Gekaufte Backlinks und SEO-Pakete mit Rankingversprechen. Niemand kontrolliert das Ranking einer fremden Suchmaschine. Wer es verspricht, weiß es nicht besser oder sagt bewusst die Unwahrheit.
- Eine Agentur, die dir eine Position zusagt. Dieselbe Begründung.
- Alles, was mehrere Jahre bindet, bevor du zwei Kanäle sauber gemessen hast.
Deine nächste Aufgabe
- Geh einmal um dein Fahrzeug herum und mach den Drei-Sekunden-Test.
- Such drei Entscheider in deinem Gebiet über ein berufliches Netzwerk und notiere Name und Funktion. Dann ruf in der Zentrale an.
- Prüfe alle laufenden Eintragungsdienste: Was zahlst du, was bringt es, wann kannst du kündigen?
- Geh einmal zum Stammtisch deiner Innung oder deines Gewerbevereins. Einmal, dann entscheidest du.
Zu diesem Kapitel
Alle abgerufen am 7. Oktober 2026.
Ausdrücklich nicht belegt: deutsche LinkedIn-Klickpreise, das Mindestbudget bei Microsoft Advertising, Marktanteilszahlen für Bing in Deutschland bezogen auf diese Branche.
Allgemeine Orientierung. Die Einordnungen der nichtdigitalen Kanäle sind meine Einschätzung, keine Messwerte.







