Als ich „Reinigungsfirma gründen” geschrieben habe, wollte ich festhalten, was bei mir funktioniert hat und was ich zu spät verstanden habe. Dass daraus so viel Interesse entstehen würde, hatte ich nicht erwartet. Und mit dem Interesse kam immer wieder dieselbe Frage, meist in zwei Sätzen und meist freundlich: Gut, die Firma ist angemeldet. Und jetzt?
Das ist eine berechtigte Frage, denn eine Gewerbeanmeldung ruft dich am Montag nicht an und bestellt eine Büroreinigung. Ein Logo bezahlt keine Löhne. Eine Versicherung bringt keinen Kunden. Und ein voller Kalender ist noch kein Beweis dafür, dass am Monatsende Geld übrig bleibt. Zwischen „gegründet” und „trägt sich” liegt eine Strecke, über die in Gründungsbüchern wenig steht — unter anderem in meinem. Dieses Buch handelt vom ersten Stück dieser Strecke.
Wer das hier schreibt
Ich bin kein gelernter Reinigungsfachmann. Ich habe kein Gebäudereiniger-Handwerk erlernt und keinen Meisterbrief in diesem Gewerk. Ich komme aus der Programmierung und aus der Arbeit mit Suchmaschinen — aus dem Teil der Welt, in dem man sich damit beschäftigt, wie Menschen etwas suchen und was sie dann finden. 2008 habe ich gegründet. Dass meine Firma Gebäude reinigt, war am Anfang eher eine Geschäftsentscheidung als eine Berufung.
Das ist ein Nachteil und ein Vorteil, und ich sage dir beide. Der Nachteil: Wenn du wissen willst, mit welchem Mittel man einen hartnäckigen Belag von einem bestimmten Bodentyp bekommt, frag jemand anderen. Der Vorteil: Ich habe diesen Markt von der Seite betreten, von der aus man sieht, wie Aufträge entstehen. Wer sucht? Mit welchen Worten? Wer entscheidet im Haus tatsächlich? Welche Wege zum Kunden gibt es, außer zu warten, bis das Telefon klingelt? Das sind die Fragen, mit denen ich mich die meiste Zeit beschäftigt habe, und das ist der Teil, den ich erklären kann.
Ich habe dabei genug falsch gemacht, um darüber ein eigenes Kapitel schreiben zu können. Ich habe eine Anfrage und einen Besichtigungstermin an einen Subunternehmer weitergegeben, und anschließend hatte der Kunde ein zweites Angebot auf dem Tisch, zehn Prozent günstiger, von demselben Mann. Ich hatte die Anfrage besorgt. Er bekam den Termin. Am Ende hatte er den Kunden, und ich eine Fortbildung, für die ich mich nicht angemeldet hatte. Ich habe Menschen, die vorher selbstständig mit uns gearbeitet haben, in Arbeitsverhältnisse übernommen und war dann überrascht, dass Beschäftigte Urlaub nehmen, krank werden und Kinder bekommen — als hätte ich erwartet, dass in einem Arbeitsvertrag eine Ausfallgarantie steht. Und mit Beginn der Corona-Pandemie habe ich gesehen, wie schnell ein Auftragsbestand zu einer Liste von Hoffnungen wird. Diese Dinge stehen in diesen Büchern, weil sie hineingehören. Ein Praxisbuch, in dem nur die gelungenen Monate vorkommen, hilft niemandem bei der Entscheidung am Dienstagvormittag.
Für wen das Buch ist
Für vier Sorten Leser, und ich halte sie durchgehend auseinander, weil dieselbe Methode für sie unterschiedlich sinnvoll ist. Für die nebenberuflich Selbstständige mit acht Stunden in der Woche. Für den hauptberuflich Alleinarbeitenden, der seine Kapazität gerade voll hat und nicht weiß, ob das gut ist. Für den Betrieb mit den ersten Teilzeitkräften, der bezahlte Stunden hat, die er nicht verkauft. Und für den etablierten kleinen Betrieb, der an einem einzigen Auftraggeber hängt und das ändern will.
Keiner dieser vier muss größer werden. Bewusst klein zu bleiben ist in diesem Buch eine zulässige, erwachsene Entscheidung und kein Scheitern. Was ich allerdings von dir erwarte: dass du nachrechnest, bevor du Nein sagst — und auch, bevor du Ja sagst.
Was hier nicht steht
Keine Erfolgsgarantie. Ich sage dir nicht, wie viele Aufträge du bekommst, was du verdienen wirst, auf welcher Position du bei Google landest oder ob dich eine KI empfiehlt. Wer dir das zusagt, hat entweder etwas zu verkaufen oder nicht zu Ende gedacht. Kein geheimer Kanal, den noch niemand kennt. Keine Branchenquoten, die ich nicht belegen kann: Wenn du in diesem Buch keine Zahl zur üblichen Abschlussquote findest, liegt das nicht an Nachlässigkeit, sondern daran, dass ich sie nicht habe. Offen gelassen ist mir lieber als ausgedacht.
Und keine Rechtsberatung. Es gibt in diesem Buch rechtliche Abschnitte, weil du ohne sie Verträge unterschreibst, die du nicht verstehst. Sie tragen alle einen Stichtag, und sie ersetzen keinen Anwalt und keinen Steuerberater.
Wie du das Buch benutzt
Nicht von vorn bis hinten. Das ist nicht Bescheidenheit, das ist die Gebrauchsanweisung. Dieses Buch ist ein Werkzeugkasten mit Kapitelnummern, und du schlägst es bei dem Problem auf, das du heute hast. Ein Hausverwalter hat angerufen und du weißt nicht, wer dort entscheidet? Kapitel 6. Du willst wissen, was du überhaupt anbieten darfst und was nicht? Kapitel 4. Niemand findet dich, wenn er deinen Ort und „Büroreinigung” eingibt? Kapitel 13. Eine schlechte Bewertung steht seit Montag online und du hast schon drei Antworten geschrieben und wieder gelöscht? Kapitel 14. Und bevor du Geld für Anzeigen ausgibst: erst Kapitel 8 dieses Buches, dann „Aus Anfragen werden Aufträge”, Kapitel 1 — in dieser Reihenfolge, und bevor du den ersten Euro überweist.
Zwei Kapitel würde ich trotzdem zuerst lesen, und zwar in dieser Reihenfolge: Kapitel 1, weil dort die vier Zahlen stehen, mit denen du überhaupt beurteilen kannst, ob eine Entscheidung gut war. Und Kapitel 8, weil dort das Blatt entsteht, auf dem dein eigener Plan steht. Danach darfst du springen. Jedes Kapitel endet mit Aufgaben, die eine Zeitangabe tragen — dreißig Minuten, zwei Stunden, bis Sonntag. Diese Zeitangaben sind nicht geschmückt. Sie sind die ehrlichste Information über den Aufwand, die ich dir geben kann.
Ein offenes Wort zu meinem eigenen Interesse
Weiterführende Artikel und Arbeitsmaterialien zu diesen Themen findest du auf meiner Plattform mein-reinigungsunternehmen.de. Dort bereiten wir auch Inhalte aus „Reinigungsfirma gründen” und „Unternehmen gründen und führen” für den Betriebsalltag auf; die Online-Beiträge ergänzen die Bücher, Umfang und Bearbeitungsstand können von der jeweiligen Buchausgabe abweichen. Diese Plattform ist mein Unternehmen, und ich verdiene damit Geld. Das sage ich einmal und deutlich, damit du es weißt und nicht erraten musst. Du brauchst sie nicht: Dieses Buch ist ohne Kauf einer Software, einer Beratung oder eines Abonnements vollständig anwendbar. Darauf habe ich beim Schreiben geachtet, und du wirst mich in den folgenden vierzehn Kapiteln nicht noch einmal mit einem Angebot dazwischenfunken sehen.
Drei Betriebe, die es nicht gibt
Damit Rechenwege nachvollziehbar bleiben, begleiten dich durch alle drei Bücher dieser Reihe drei Betriebe. Alle drei sind frei erfunden, und ich kennzeichne sie in jedem einzelnen Kapitel erneut so. Ihre Zahlen sind gewählte Annahmen — netto, Deutschland, Stand Oktober 2026 —, keine Branchenwerte, keine Preisempfehlung und keine Prognose für deinen Betrieb. Sie bleiben über alle Kapitel gleich, damit du vergleichen kannst.
Dilan Acar, 34, Dresden, reinigt nebenberuflich, acht Stunden die Woche, keine Referenzen. Andreas Hoffmann, 52, Osnabrück, sechs Teilzeitkräfte, rund 120 freie Einsatzstunden im Monat, seit zwei Jahren Portalgebühren. Petra Novak, 41, Mannheim, 19 Beschäftigte, 61 Prozent ihres Umsatzes von einem einzigen Generalunternehmer.
Alle drei verlieren im Laufe der Reihe einen Auftrag, und alle drei lehnen irgendwann Wachstum ab. Das ist kein dramaturgischer Einfall, sondern der Teil, der den Unterschied zu einer Hochglanzgeschichte macht.
Und die beiden anderen Bücher
Dieses Buch hat eine klare Grenze, und es endet an einer bestimmten Stelle: Du wirst gefunden, man traut dir einen Schlüssel zu, und es kommen Anfragen herein. Was du mit einer Anfrage machst — qualifizieren, besichtigen, rechnen, anbieten, verhandeln, nachfassen, unterschreiben —, steht in „Aus Anfragen werden Aufträge”. Und was danach kommt, wenn aus Aufträgen ein Unternehmen wird — öffentliche Vergabe, mehrere Objekte, Kunden halten, der erste Mitarbeiter, Rechnung und Liquidität —, steht in „Vom Auftrag zum Unternehmen”. Ich habe die Trennungen an diesen Stellen gezogen, weil es wirklich drei verschiedene Handwerke sind. Jedes der drei Bücher steht für sich; du musst keines der anderen besitzen, um mit diesem zu arbeiten.
Aufträge kommen nicht von allein. Fangen wir damit an, warum.
Salih Daglar, Stand 7. Oktober 2026







