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PRAXISREIHE · BAND 2 · KAPITEL 6

6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Von Salih Daglar · Vollständiger Buchtext · etwa 35 Minuten Lesezeit

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Die Frage dieses Kapitels: Wie entsteht Nachfrage über Menschen statt über Anzeigen — und was muss ich klären, bevor ich den ersten Hörer in die Hand nehme?

Es gibt Betriebe, die seit Jahren leben, ohne jemals eine Anzeige geschaltet zu haben. Drei Hausverwaltungen, zwei Handwerksbetriebe und ein Hausmeisterdienst denken an sie. Das ist kein Charisma, das ist Arbeit, die man sehen kann, wenn man weiß, wo man hinschaut.

Dieses Kapitel ist das längste im Buch, weil hier vier Dinge zusammenlaufen: Empfehlungen von Kunden, Zusammenarbeit mit Partnern, persönlicher Vertrieb — also jemand, der hinausgeht und verkauft — und lokale Sichtbarkeit mit Fahrzeug, Anhänger, Aufkleber und QR-Code. Alles vier arbeitet mit denselben Menschen. Ich fange mit dem Teil an, den die meisten überspringen: was das kostet.

Empfehlungen sind nicht kostenlos

Du wirst oft lesen, Empfehlungsmarketing sei gratis. Es hat nur kein Anzeigenbudget, und das ist etwas anderes. Es kostet Zeit für Gespräche, Fahrten, Material für Unterlagen, gelegentlich eine Veranstaltung — und je nach Modell eine Vergütung. Wenn du einen Nachmittag mit einem Tischlermeister verbringst, hast du einen Nachmittag ausgegeben.

Lernmodell, frei gewählte Annahmen, alle Beträge netto, Stand Oktober 2026, Deutschland. Kalkulatorischer Zeitwert 30 Euro je Stunde — keine Marktpreisempfehlung, sondern der Wert, mit dem du deine eigene Arbeitszeit bewertest. Geschenke sind nicht enthalten.

Posten Ansatz Betrag
Zehn kleine Mappen 10 × 8 € 80 €
Verpackung 10 × 5 € 50 €
Versand 10 × 7 € 70 €
Auswahl und Vorbereitung 5 Stunden × 30 € 150 €
Gewünschte Folgegespräche, Auswertung 3 Stunden × 30 € 90 €
Gesamter Versuch 200 € Sachkosten + 240 € Zeit 440 €

Die 240 Euro Zeit sind kein Bankabgang, wenn du sie selbst leistest. Ein wirtschaftlicher Aufwand bleiben sie, weil du die Stunden nicht gleichzeitig in ein Objekt stecken kannst. Fahrten, Besichtigungen und bezahlte Mitarbeit kommen in deinem Fall dazu.

Bei null gewonnenen Kunden hast du 440 Euro Aufwand und keinen sinnvollen Kundengewinnungspreis — nicht null, sondern nicht berechenbar. Bei einem Kunden sind es 440 Euro je Kunde, bei zwei rechnerisch 220 Euro. Eine Erfolgsquote folgt daraus nicht; zehn Mappen sind eine Arbeitsgröße für einen Test, keine Stichprobe.

Kontaktwege: drei Ebenen, die du getrennt prüfst

Hier liegt der teuerste Irrtum dieses Kanals, und er klingt harmlos: „Die Adresse steht doch im Impressum.” Eine veröffentlichte Adresse ist eine Erreichbarkeitsangabe, keine Einwilligung in Werbung. Prüfe drei Dinge getrennt; keines ersetzt ein anderes.

Ebene 1 — Einwilligung. Liegt eine vorherige, auf diesen Kanal bezogene Zustimmung vor, und kannst du sie belegen? Für Werbe-E-Mails ist das der Regelfall; § 7 UWG kennt eine enge Ausnahme für Bestandskunden bei eigenen, ähnlichen Leistungen, und eng heißt wirklich eng.1 Telefonwerbung gegenüber Verbrauchern setzt eine ausdrückliche vorherige Einwilligung voraus; gegenüber Unternehmen gilt ein weniger strenger Maßstab — kein Freibrief.

Ebene 2 — konkreter sachlicher Anlass. Warum sollte gerade dieser Betrieb gerade diese Leistung brauchen? Branchenzugehörigkeit ist kein Anlass. Ein sichtbarer Umbau, eine Übergabe, ein auslaufender Vertrag, eine weitergeleitete Anfrage — das sind Anlässe.

Ebene 3 — Kanal. Besuch, Geschäftsbrief, vereinbarter Rückruf und Werbe-E-Mail stehen rechtlich nicht auf derselben Stufe. Und was datenschutzrechtlich sauber organisiert ist, ist damit nicht wettbewerbsrechtlich erlaubt; die Prüfungen laufen nebeneinander.

Deshalb gibt es hier keine Ampel — sie verführt dazu, den Einzelfall zu überspringen.

Weg Ebene 1: Einwilligung Ebene 2: Anlass Ebene 3: Kanal
Werbe-E-Mail an eine Impressumsadresse fehlt in der Regel ersetzt sie nicht strengste Anforderungen
Anruf bei einem Gewerbebetrieb nicht in jedem Fall nötig muss konkret vorliegen Zweck nicht verschleiern
Anruf bei einem Privathaushalt ausdrücklich nötig ersetzt sie nicht ohne Einwilligung unzulässig
Geschäftsbrief an ein Unternehmen meist nicht erforderlich sollte erkennbar sein Absender und Zweck klar
Persönlicher Besuch, Karte abgeben entfällt sollte erkennbar sein Hausrecht, Zeitpunkt, Ton
Nachricht an einen privaten Kontakt Bekanntschaft ist keine Erlaubnis muss vorliegen Netzwerkregeln beachten
Seriennachricht über ein Businessnetzwerk fehlt in der Regel fehlt meist ebenfalls Plattformregeln zusätzlich

„In der Regel” heißt: Die Bewertung hängt vom Einzelfall ab.

Zwei Punkte, weil beide in Vertriebsschulungen falsch erzählt werden.

Erstens: Die Frage nach dem Zuständigen macht ein Gespräch nicht werbefrei. Du darfst anrufen und fragen, wer über Reinigung entscheidet, wenn ein sachlicher Grund besteht — ein zulässiger Einstieg. Es bleibt ein Gespräch, das Werbezwecken dient, und wird nicht neutral, weil du es „organisatorisch” nennst. Nach § 5a UWG darf der kommerzielle Zweck nicht verschleiert werden.2 Ein Skript, das ihn verstecken soll, ist kein Trick, sondern ein Risiko mit Anlauf.

Zweitens: Der Kanal E-Mail ist nicht das Problem. Die unaufgeforderte Kaltmail ist es. Eine angeforderte Information, eine Terminbestätigung, ein Angebot nach der Besichtigung, ein zugesagtes Nachfassen zum vereinbarten Datum — das sind wirksame, normale E-Mails. Wer schreibt, E-Mail funktioniere in dieser Branche nicht, hat die Massenmail gemeint und das Werkzeug beschuldigt.

Dieser Bereich wird durch Gerichtsentscheidungen laufend konkretisiert; IHK und Handwerkskammer beantworten solche Fragen für Mitglieder kostenfrei.3

Die Empfehlung: fragen, danken, zurückmelden

Eine Empfehlung entsteht nicht aus Zufriedenheit allein, sondern wenn jemand einen Anlass hat, deinen Namen zu nennen, und weiß, was er dabei sagen soll. Der Zeitpunkt ist ein Ereignis, kein Gefühl: nach dem ersten vollständigen Monat, nach einer gelungenen Grundreinigung, nachdem du einen Personalausfall aufgefangen hast, ohne dass der Kunde es gemerkt hätte.

Der Satz ist konkret. „Falls Sie mal jemanden kennen” löst nichts aus, weil es niemandem eine Aufgabe gibt. Was wirkt, enthält drei Teile: einen Anlass, eine Mengenangabe und eine Bitte um Erlaubnis statt um einen Gefallen.

„Wir reinigen jetzt vier Wochen bei Ihnen, und Sie haben nichts zu beanstanden gehabt. Wir haben derzeit Kapazität für zwei weitere Objekte in diesem Stadtteil. Kennen Sie jemanden — eine andere Verwaltung, ein Nachbargebäude, einen Geschäftspartner —, bei dem ich mich einmal melden darf?“

Jetzt die Stelle, auf die es ankommt. Nennt dein Kunde einen Namen, fragst du: „Darf ich sagen, dass Sie mich empfohlen haben?“ Ein Ja darauf ist die Erlaubnis deines Kunden, seinen Namen zu verwenden. Es ist nicht die Erlaubnis des Empfohlenen, kontaktiert zu werden. Diese beiden Dinge werden ständig verwechselt, und die Verwechslung ist bequem, weil sie das Unangenehme wegnimmt.

Halte sie strikt getrennt. Die saubere Variante: Dein Kunde stellt den Kontakt her, eine kurze Nachricht, dass du dich melden wirst und dass das in Ordnung ist. Dann hat der Empfänger die Sache in der Hand. Die zweitbeste: ein Anruf bei einem Gewerbebetrieb, bei dem du offen sagst, wer dich auf das Objekt gebracht hat, und sofort anbietest, es dabei zu belassen. Was es nicht ist: eine Werbemail an einen Menschen, der von der Sache nichts weiß, mit dem Namen deines Kunden als Türöffner in der Betreffzeile. Und ein Kunde kann dich empfehlen, ohne dir die personenbezogenen Daten anderer Leute zu überlassen; die Orientierungshilfe der Datenschutzkonferenz zur Direktwerbung beschreibt, wie eine Weitergabe rechtmäßig organisiert wird — nicht, wie man sich einen unzulässigen Kanal schönrechnet.4

Eine Empfehlung kann dir ein Preisgespräch gegen drei Mitbewerber ersparen. Kann. Auch ein empfohlener Anbieter muss passen und wird verglichen.

Und melde dich zurück, unaufgefordert. Wer empfiehlt, legt ein Stück seines Rufs in deine Hand und will wissen, was daraus geworden ist — besonders, wenn nichts daraus geworden ist. Dass Geben Beziehungen öffnet, ist eine vernünftige Erwartung, keine Rechnung mit garantiertem Ausgang. Manchmal kommt nichts zurück. Das ist kein Grund, beim nächsten Mal zu rechnen wie an der Kasse.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Partner finden: sechs Fragen, ein konkreter Nutzen

Ein Partner ist nicht jeder mit einer Visitenkarte, sondern jemand, dessen Kunden in einem bestimmten Moment deine Leistung brauchen — und der einen Grund hat, dich dann zu nennen.

Ein Tischler braucht nicht selbst jeden Monat eine Reinigung. Er arbeitet dort, wo nach dem Einbau Staub, Schutzfolien und Verpackung liegen bleiben, und für seinen Kunden kann ein abgestimmter Abschluss wichtig sein. Du bekommst Zugang zu einem Bedarf, der noch nicht als Suchanfrage bei Google angekommen ist. Das ist der ganze Mechanismus.

Prüfe sechs Dinge, bevor du jemanden ansprichst:

  1. Branche. Arbeitet er bei Kundentypen, die du bedienen kannst und willst?
  2. Gemeinsamer Kundenanlass. In welchem konkreten Moment braucht sein Kunde dich?
  3. Region. Liegt sein Gebiet in deiner tatsächlichen Fahrzeit, nicht in einem gezeichneten Kreis auf der Karte?
  4. Zugang. Spricht er wirklich mit Entscheidern, oder erzählt er dir, dass er es tut? Diese Frage ist die wichtigste und wird am seltensten gestellt.
  5. Reputation. Willst du mit seinem Namen in einem Satz genannt werden? Du erbst sein Ansehen in beide Richtungen.
  6. Kapazität. Hat er Zeit für eine Zusammenarbeit — und kannst du die Aufträge annehmen, die daraus kämen?

Und dann brauchst du je Partner einen konkreten Nutzen. Nicht „wir reinigen alles” — das ist keine Zusage, das ist eine Aufzählung. Ein Tischler versteht „Oberflächen- und Glasreinigung nach der von euch freigegebenen Methode, am vereinbarten Tag, mit Rückmeldung an euch”. Ein Umzugsunternehmen versteht „Übergabereinigung mit festem Zeitfenster am Tag nach dem Auszug”. Das ist der Unterschied zwischen einem Partner und einem Stapel Flyer auf einer Theke.

Partner Gemeinsamer Anlass Dein konkreter Nutzen Vorher klären
Tischler, Fensterbauer Einbau fertig, Übergabe steht an Oberflächen und Glas nach freigegebener Methode Beschichtungen, Folien, Freigabe, Haftung
Bodenleger, Maler Renovierung kurz vor Nutzung Endreinigung zum koordinierten Termin Trocknung, Materialpflege, andere Gewerke
Umzugsunternehmen Übergabe alter oder neuer Räume Reinigung im festen Zeitfenster keine Zusage einer mangelfreien Abnahme
Entrümpelung Fläche geräumt, nicht nutzbar Reinigung als getrennt ausgewiesene Leistung Entsorgung abgrenzen, unbekannte Stoffe
Garten- und Winterdienst Bestandsobjekt braucht Innenpflege Ergänzung, weniger Abstimmung für den Kunden Zuständigkeit, echte Kapazität
Hausmeisterbetrieb ohne Reinigungsteam Mängel oder neue Objekte verlässliche Ausführung, kurze Rückmeldungen Auftraggeber, Vermittler oder Beauftragter?
Hausverwaltung Wechsel, Beschwerden, Zusatzobjekte objektbezogener Leistungsplan mit Kontrolle Vollmacht, Eigentümerinteressen, Konflikte
Makler, Büroausstatter Übergabe, Besichtigung, Umbau präsentable Fläche zu festem Zeitpunkt wer bestellt und bezahlt, Haftung, Fotofreigabe
Andere Reinigungsfirma falsche Region, Spezialleistung, Engpass gegenseitige Ergänzung Kundenrollen, keine Preis- oder Gebietsabsprache

Fang klein an: eine Leistung, eine Region, ein Anlass. Etwa Endreinigung nach kleinen Büroumbauten in einer Zone, die du in zwanzig Minuten erreichst. Sammle zehn passende Betriebe aus öffentlich zugänglichen Firmeninformationen und notiere je Eintrag den erkennbaren Anlass, die Leistungen, den sachlichen Grund für die Passung und einen geeigneten Kontaktweg. Kauf keine Listen mit privaten Daten zweifelhafter Herkunft dazu.

Für den Erstkontakt nutzt du, was zur Lage passt: eine Vorstellung auf einer Fachveranstaltung, eine erlaubte Einführung über einen gemeinsamen Kontakt, einen passenden Geschäftsbrief. Im vereinbarten Termin tragen drei Fragen das Gespräch: Welche Situationen verzögern bei euren Kunden den Abschluss? Wer entscheidet über die Reinigung, und wer bezahlt sie? Was müsste ein Partner leisten, damit ihr ihn guten Gewissens nennt?

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Drei Vergütungsmodelle — Alternativen, kein Baukasten

Die unbezahlte Empfehlung und die transparent vergütete Zusammenarbeit sind beide legitim. Es gibt keinen Grund, das eine für edler zu halten — aber einen Grund, beides klar zu benennen: Unterschiedliche Modelle haben unterschiedliche Rollen, Pflichten und Kosten.

Und bevor du über einen Satz sprichst, sprichst du über die Bezugsgröße. „Zwanzig Prozent” ist keine Angabe. Wovon? Vom Erstmonatsumsatz, vom Jahresumsatz, vom Deckungsbeitrag? Einmalig oder laufend? Hier entstehen die Verträge, über die man zwei Jahre später mit einem Anwalt redet.

Lernmodell, frei gewählte Annahmen, alle Beträge netto, Stand Oktober 2026. Ein gewonnener Kunde zahlt 1.200 Euro im Monat. Direkt zurechenbare Leistungskosten 960 Euro im Monat. Monatlicher Deckungsbeitrag vor Akquise und Provision: 240 Euro. Einrichtung und Übergabe einmalig 120 Euro, zusammen mit dem Akquiseversuch von 440 Euro also 560 Euro vorgelagerte Kosten. Deckungsbeitrag ist nicht Gewinn: Verwaltung, weitere Gemeinkosten und Steuern sind darin nicht bezahlt. Im Modell werden zwölf Monate vollständig geleistet und bezahlt.

Modell Vergütung Beitrag nach Provision je Monat Amortisation von 560 € plus Fixvergütung Jahresbeitrag nach allen genannten Kosten
A Feste Erfolgsvergütung je Auftrag 200 € einmal 240 € (560 + 200) / 240 = 3,17 Monate 2.880 − 560 − 200 = 2.120 €
B 5 % vom Monatsumsatz, 12 Monate 60 €/Monat, 720 € gesamt 180 € 560 / 180 = 3,11 Monate 2.880 − 560 − 720 = 1.600 €
C 10 % vom definierten DB, 12 Monate 24 €/Monat, 288 € gesamt 216 € 560 / 216 = 2,59 Monate 2.880 − 560 − 288 = 2.032 €

Die drei sind Alternativen. Sie werden nicht addiert. Lies die letzte Spalte: Dieselbe Vermittlung kostet dich im Jahr zwischen 288 und 720 Euro, nur weil die Bezugsgröße anders gewählt ist.

Dieselbe Prozentzahl, drei Bezugsgrößen

Derselbe Fall mit den Sätzen, die in Gesprächen wirklich genannt werden.

Satz Vom Monatsumsatz DB danach Vom Monats-DB DB danach
15 % 180 € 60 € 36 € 204 €
20 % 240 € 0 € 48 € 192 €
30 % 360 € −120 € 72 € 168 €

Alle Beträge netto, je Monat, Lernmodell.

Zwanzig Prozent vom Monatsumsatz nehmen in diesem Modell den gesamten Deckungsbeitrag — nicht den Gewinn, den gesamten Deckungsbeitrag, bevor Verwaltung und Steuern bezahlt sind. Dreißig Prozent vom Umsatz machen daraus ein Verlustgeschäft von 120 Euro im Monat. Dreißig Prozent vom Deckungsbeitrag kosten 72 Euro und lassen 168 Euro übrig. Zweimal „dreißig Prozent”, zwei völlig verschiedene Geschäfte.

Die dritte Bezugsgröße ist der Jahresumsatz, und sie ist die gefährlichste, weil sie so harmlos klingt. Der Jahresumsatz beträgt 14.400 Euro, der Jahres-Deckungsbeitrag 2.880 Euro. Fünfzehn Prozent vom Jahresumsatz sind 2.160 Euro — es blieben 720 Euro für zwölf Monate Arbeit. Zwanzig Prozent vom Jahresumsatz sind 2.880 Euro, genau der komplette Jahres-Deckungsbeitrag: Du hättest ein Jahr gereinigt, um auf null zu kommen. Wer so etwas vorschlägt, hat meist nie nachgerechnet.

Ein praxisnäherer Vorschlag für einen laufenden Anteil: 20 Prozent des vorab definierten Deckungsbeitrags der ersten drei tatsächlich bezahlten Monate, also 48 Euro × 3 = 144 Euro. Begrenzt, kalkulierbar, und der Partner bekommt sein Geld, wenn der Kunde zahlt.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Die Belastungsprobe

Die Kosten steigen. Statt 960 kostet die Ausführung 1.080 Euro im Monat; der Beitrag vor Provision halbiert sich auf 120 Euro. Die Umsatzprovision aus Modell B bleibt bei 60 Euro, weil sie mit deinen Kosten nichts zu tun hat. Dir bleiben 60 Euro im Monat, die Amortisation der 560 Euro dauert 9,33 Monate, und nach zwölf Monaten bleiben 160 Euro vor Gemeinkosten und Steuern. Fünf Prozent vom Umsatz haben die Hälfte deines Deckungsbeitrags gekostet.

Der Kunde geht früh. Endet derselbe Auftrag nach zwei bezahlten Monaten, stehst du nach allen genannten Kosten bei A bei −280 Euro, bei B bei −200 Euro, bei C bei −128 Euro. Dass ein Kontakt zustande kommt, bedeutet nicht, dass er sich trägt.

Beim Deckungsbeitragsmodell hängt alles an einer Definition: Welche Kosten gehören dazu, wer rechnet sie, darf nachträglich ein Verwaltungsanteil abgezogen werden? Legst du das nicht vorher nachvollziehbar fest, diskutierst du in Monat sieben über jede verrechnete Minute. Was du auf keinen Fall machst: dem Partner am Jahresende erklären, es sei leider kein Gewinn übrig geblieben.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Rollen und Pflichten: was vor dem ersten Euro geklärt sein muss

Dies ist eine Besprechungsunterlage, kein unterschriftsfertiger Vertrag.

Welche Rolle hat der andere? Erste Frage, nicht letzte. Ein selbstständiger Handwerksbetrieb, der dich empfiehlt, ist etwas anderes als der angestellte Objektleiter deines Wunschkunden. Bei Angestellten eines Kunden oder potenziellen Kunden ist eine private Zahlung kein Partnerprogramm. § 299 StGB erfasst unlautere Vorteile im geschäftlichen Verkehr — in beide Richtungen und auch dann, wenn der Vorteil einem Dritten zufließt.5 Die Überschrift „Provisionsvereinbarung” legalisiert keine unlautere Bevorzugung, und eine Zustimmung des Arbeitgebers beseitigt nicht jede Frage. Bei Amtsträgern gelten §§ 333 und 334 StGB strenger.6

Dauerhafte Vermittlung oder einzelner Nachweis? Eine Weichenstellung mit gesetzlichen Folgen. Wer dauerhaft damit betraut ist, für dich Geschäfte zu vermitteln, kann Handelsvertreter im Sinne von § 84 HGB sein — mit Ansprüchen, die sich nicht beliebig wegvereinbaren lassen.7 Wer dir einmalig eine Gelegenheit nachweist, bewegt sich eher im Bereich des Maklerlohns nach § 652 BGB.8 Ein Blatt mit „Tippgebervereinbarung” oben drauf macht aus dauerhafter Vermittlung keine Gelegenheitsleistung.

Die Grenze gegen Absprachen. Ein Partnernetzwerk ist keine Erlaubnis, den Markt zu ordnen. § 1 GWB verbietet wettbewerbsbeschränkende Absprachen.9 Mit einem Wettbewerber wird nicht abgestimmt, wer in welchem Stadtteil anbietet, zu welchem Preis, oder wer ein Scheinangebot abgibt, damit ein anderer gewinnt. Eine Anfrage weitergeben, weil sie nicht ins Gebiet passt, und sich bei Ausfällen vertreten — das ist etwas anderes. Kenne die Grenze, bevor jemand beim Bier eine Landkarte malt.

Punkt Konkrete Entscheidung
Beteiligte und Rolle Wer vermittelt unabhängig, wer vertritt einen Auftraggeber, wer darf überhaupt Vergütung annehmen?
Leistung Nur Kontakt benennen, Einführung herstellen oder fortlaufend vermitteln? Keine unbefugten Vertragszusagen.
Geeigneter Kontakt Leistung, Region, Ansprechpartner, erkennbarer Bedarf; keine privaten Listen zukaufen.
Datenschutz Weitergabe und Kontaktaufnahme rechtmäßig und nachweisbar organisieren, Information und Widerspruch beachten.
Doppelkontakte Bestandskunden und doppelte Empfehlungen definieren; Nachweis und Zuordnungsfrist festlegen.
Interessenkonflikte Vergütung gegenüber den Betroffenen angemessen offenlegen, Konflikte vor dem ersten Termin benennen.
Vergütungsbasis Fixbetrag, definierter Umsatz oder sauber definierter Beitrag; Umsatzsteuer, Gutschriften, Nachträge.
Storno Was gilt bei Kündigung, Nichtzahlung, Rückabwicklung? Rückforderung oder Verfall vorab klären.
Vertragsdauer Einmalig oder begrenzt laufend; Beginn, Ende und gesetzliche Ansprüche prüfen.
Abrechnung und Rechnungsweg Wer stellt Rechnung, wer Gutschrift? Fälligkeit, Belegweg, Umsatzsteuerstatus des Empfängers.
Qualität und Beschwerden Der Kunde entscheidet frei, Beschwerden klar zuordnen, keine Zusagen ohne Abstimmung.
Kundenzugang Wer führt Besichtigung und Angebot? Angemessene, geprüfte Kundenschutzregel statt pauschalem Tätigkeitsverbot.
Ende Laufende Fälle, Daten, Abrechnung und Kommunikation beim Ende der Zusammenarbeit klären.

Eine Privatperson, die dir einmal einen Kontakt verschafft, behandelst du nicht wie ein umsatzsteuerpflichtiges Gewerbe. Keine geheimen Nebenvergütungen an fremde Entscheider, keine Belohnung für Google-Bewertungen — Google untersagt Anreize für Rezensionen ausdrücklich (Kapitel 14 von „Aufträge kommen nicht von allein”).10

Eine Partnerschaft, die getragen hat

Die drei Beispielbetriebe sind frei erfunden. Die Zahlen sind gewählte Annahmen, keine beobachteten Ergebnisse.

Hoffmann Gebäudereinigung, Osnabrück. Andreas Hoffmann, 52, sechs Teilzeitkräfte, rund 120 freie Stunden im Monat. Zwei Jahre hat er Portalgebühren bezahlt und dafür Anfragen bekommen, die fast alle über den Preis entschieden wurden.

Er fängt nicht mit zwanzig Partnern an, sondern mit einer Frage: Wo entsteht in dieser Stadt ein Reinigungsbedarf, den noch niemand ausgeschrieben hat? Die Antwort ist unspektakulär — Büroumbauten, am Ende jedes Projekts eine Fläche, die noch nicht nutzbar ist. Er wählt drei Innenausbaubetriebe aus und prüft sie entlang der sechs Fragen. Beim ersten ist der Zugang unklar: Der Inhaber spricht mit Bauleitern, nicht mit denen, die über die Reinigung entscheiden. Beim zweiten stimmt die Region nicht, die Projekte liegen vierzig Kilometer weg. Der dritte, elf Leute, passt: eigene Kunden, eigene Entscheidungen, Projekte im Umkreis von fünfzehn Kilometern.

Den Termin bekommt er über einen gemeinsamen Kontakt, nicht per Kaltmail. Im Gespräch hört er etwas, das er nicht erwartet hatte: Was den Innenausbauer ärgert, ist nicht die Reinigung. Es ist, dass er bei der Übergabe erklären muss, warum noch Staub auf den Fensterbänken liegt, obwohl er sauber gearbeitet hat. Sein Problem ist der Moment der Übergabe, nicht die Fläche.

Darauf baut Hoffmann sein Angebot: Bauendreinigung am vereinbarten Tag vor der Übergabe, mit Rückmeldung, sobald sie fertig ist, damit der Innenausbauer den Kundentermin bestätigen kann. Ein Ansprechpartner, eine Nummer. Mit 120 freien Stunden im Monat kann er das zusagen, ohne jemanden zu belügen.

Vergütung: Modell A, feste Erfolgsvergütung von 200 Euro netto je vermitteltem Auftrag, der ausgeführt und bezahlt wurde. Offen über die Firma des Innenausbauers abgerechnet, auf Rechnung, kein Bargeld. Zuordnungsfrist drei Monate ab Nennung des Kontakts. Hoffmanns Bestandskunden sind ausgenommen und vorher namentlich in einer Liste festgehalten. Beide unterschreiben zwei Seiten.

Im ersten Halbjahr entstehen vier Anfragen. Drei werden Aufträge — dreimal 200 Euro Erfolgsvergütung, 600 Euro netto im Halbjahr. Einer wird keiner: Bei einem Objekt in einem Gewerbehof liegt Hoffmann 18 Prozent über einem Mitbewerber, den der Bauherr selbst ins Spiel gebracht hat, und verliert. Eine Empfehlung öffnet die Tür; durchgehen muss das Angebot.

Interessant ist, was er danach nicht macht. Der Innenausbauer bietet an, ihn bei zwei Kollegenbetrieben zu empfehlen. Hoffmann sagt vorläufig nein: Drei zusätzliche Bauendreinigungen im Monat passen in seine freien Stunden, sechs würden eine weitere Kraft und Wochenendarbeit bedeuten, und dann hängt die Qualität an einem Dienstplan, den er noch nicht beherrscht. Er sagt das auch so. Jemand, der nein sagen kann, wirkt glaubwürdiger als jemand, der alles annimmt.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Und ein Versuch, der nicht funktioniert hat

Aus dieser Geschichte lernst du mehr.

Novak Gebäudeservice, Mannheim. Petra Novak, 41, 19 Beschäftigte. 61 Prozent ihres Umsatzes kommen von einem einzigen Generalunternehmer, und das ist ihr Problem. Sie braucht eigene Kunden, und sie braucht sie schnell.

Auf einer Branchenveranstaltung spricht sie jemand an, der sich als Vertriebspartner anbietet. Er habe hervorragende Kontakte zu Hausverwaltungen in der Region. Er will 20 Prozent. Wovon, bleibt offen; sie einigen sich mündlich auf „zwanzig Prozent vom Umsatz”, und weil es schnell gehen soll, schreibt niemand auf, von welchem Umsatz und für wie lange.

Hier passieren drei Fehler gleichzeitig, und keiner ist Pech.

Erstens: Der Zugang wurde nicht geprüft. Sie hat die vierte der sechs Fragen nicht gestellt. In drei Monaten kommen sieben Kontakte. Vier sind Objekte, die Novak bereits betreut — sie standen nur auf keiner Liste, weil es keine Liste gab. Zwei sind Privathaushalte, die sie nicht bedient. Einer ist eine echte, passende Hausverwaltungsanfrage. Von „hervorragenden Kontakten” bleibt einer, und ob der auf den Partner zurückgeht, lässt sich nicht mehr feststellen.

Zweitens: Die Bezugsgröße war unbestimmt. Bei dem einen echten Auftrag — 1.200 Euro Monatsumsatz, 240 Euro Deckungsbeitrag im Modell dieses Kapitels — fordert der Partner 240 Euro im Monat. Zwanzig Prozent vom Umsatz. Er hält sich an das Gesagte. Novak hatte vom ersten Monat gesprochen, er von jedem. Beide haben nicht gelogen, beide haben nichts aufgeschrieben. Rechne es in der Tabelle oben nach: 20 Prozent vom Monatsumsatz lassen null Euro Deckungsbeitrag.

Drittens: Doppelkontakte waren nicht definiert. Die vier Bestandsobjekte werden zur unangenehmsten Diskussion der Sache, weil beide Seiten in gutem Glauben eine andere Erwartung hatten. Eine Bestandskundenliste mit Datum hätte das in zwanzig Minuten verhindert.

Novak beendet die Zusammenarbeit nach vier Monaten. Sie zahlt für den vermittelten Auftrag eine einmalige Erfolgsvergütung, nicht den laufenden Anteil, und begründet das schriftlich mit der fehlenden Vereinbarung. Beide Seiten sind unzufrieden — das realistische Ergebnis eines Streits, den niemand verhindert hat. Beim nächsten Versuch schreibt sie vorher vier Dinge auf: Bezugsgröße, Dauer, Bestandskundenliste mit Datum, Zuordnungsfrist.

Und sie kündigt den Generalunternehmer nicht. 61 Prozent sind ein Risiko, aber eine Kündigung ohne Ersatz wäre existenzgefährdend. Sie setzt sich ein Ziel mit Datum — unter 40 Prozent in zwölf Monaten — und misst jeden Monat. Nicht alles muss schnell gehen.

Die Mappe: zusammengestellt, nicht gestapelt

Eine gute Mappe spart dem Empfänger Arbeit. Sie beantwortet seine Fragen, statt deine Firmengeschichte abzuladen — und daraus folgt, dass es keine Standardmappe für alle gibt.

Für einen Erstkontakt reicht in der Regel ein Blatt: eine Leistung, ein Anlass, ein Gesprächsvorschlag, Kontakt mit Namen einer Person. Für ein vereinbartes Partnergespräch dürfen vier bis sechs Seiten sinnvoll sein, weil dein Gegenüber dann wirklich etwas wissen will. Die starre Regel „eine Seite, nicht drei” hilft dir nicht. Anlass und Inhalt entscheiden.

Ein Vorschlag für sechs Seiten zu einem vereinbarten Termin: Anschreiben mit konkretem Anlass; die passende Leistung mit Umfang, Grenzen, Gebiet und realer Kapazität; der Ablauf von der Anfrage bis zur Übergabe mit Ansprechpartner und einhaltbaren Reaktionszeiten; ein echtes, freigegebenes Beispiel oder eine deutlich als Muster bezeichnete Leistung — keine erfundenen Kundenlogos; Nachweise und Datenschutzangaben nur im belegbaren Umfang, also Betriebshaftpflicht mit Deckungssumme statt „umfassend versichert”; zuletzt der nächste Schritt.

Die drei Unterschiede, die du nennst, entscheiden. „Zuverlässig, gründlich und günstig” schreibt jeder. Nachprüfbare Zusagen wirken: „Sie erreichen mich persönlich, keine Hotline.” — „Bei Ausfall einer Kraft stellen wir Ersatz; in welchem Zeitfenster, sagen wir Ihnen vor Vertragsschluss verbindlich auf Basis unserer Personaldecke.”

Der zweite Satz ist absichtlich länger als das übliche „Ersatz innerhalb eines Tages”. Das ist eine gute Zusage, wenn du drei einsetzbare Kräfte in erreichbarer Entfernung hast. Wenn du eine Person bist, die acht Stunden in der Woche arbeitet, ist es eine Lüge mit Ankündigung. Eine gebrochene Zusage auf Papier kostet mehr als eine nie gegebene.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Kleine Aufmerksamkeiten und Einladungen

Eine passende Aufmerksamkeit kann einen Kontakt persönlicher machen. Sie ersetzt keinen Nutzen und darf keinen Druck erzeugen.

Vorher klärst du vier Dinge: Welche Rolle hat der Empfänger? Gilt in seinem Haus eine Annahmerichtlinie? Gibt es einen echten Anlass? Und läuft gerade eine Entscheidung, bei der er über dich befindet? Wenn die letzte Antwort ja ist, lässt du es. Bei laufenden Vergaben und öffentlichen Entscheidern ist ein Geschenk kein Türöffner, sondern ein Problem — §§ 333 und 334 StGB ziehen enge Grenzen, und bei Angestellten eines Kunden ist § 299 StGB einschlägig.

Steuerliche Abzugsgrenzen beantworten diese Frage nicht. § 4 EStG regelt Abzug und Dokumentation betrieblicher Aufwendungen; er sagt nichts darüber, ob eine Zuwendung zulässig ist, und macht sie beim Empfänger nicht steuerfrei.11 Frag deinen Steuerberater, bevor du etwas Wertvolles verschenkst.

Alkohol, Lebensmittel und teure Geschenke sind keine universell gute Idee. Niemand muss Bier trinken, um eine Reinigung zu beauftragen. Ein gemeinsames Geschäftsessen braucht einen echten geschäftlichen Anlass und angemessene Dokumentation, keine erwartete Gegenleistung. Und eine Zahlung, die eine unlautere Bevorzugung erkaufen soll, wird nicht zulässig, weil du sie „Aufmerksamkeit”, „Partnerbonus” oder „Dankeschön” nennst. Wer ein Etikett wechselt, ändert den Vorgang nicht.

Oft wirkt das Unmaterielle besser. Ein Ablauf, der dem Handwerksbetrieb seinen Übergabetermin rettet, ist mehr wert als der Inhalt eines Pakets.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Wann du abbrichst

Schreib die Kriterien vorher auf, dann musst du die Entscheidung später nicht gegen dein eigenes Bauchgefühl treffen. Du brichst ab oder verhandelst neu, wenn eines davon zutrifft:

  • Kein tatsächlicher Zugang. Drei Monate ohne einen passenden Kontakt sind eine Antwort.
  • Unpassende Leads. Außerhalb von Gebiet, Leistung oder Kapazität — oder Kunden, die du hast.
  • Schlechte Leistung auf seiner Seite. Dein Name steht neben seinem.
  • Untragbare Provision. Verhandle die Bezugsgröße; geht das nicht, höre auf. Ein Auftrag ohne Deckungsbeitrag ist kein Erfolg.
  • Zahlungsprobleme. Vermittelte Kunden zahlen nicht, oder der Partner selbst nicht.
  • Unvertretbare Interessenkonflikte. Er vertritt gleichzeitig deinen Kunden und dich, verlangt eine Vergütung, die seine Rolle nicht zulässt, oder will Offenlegungspflichtiges verschweigen.

Wenn du beendest, beendest du sauber: laufende Fälle abschließen, abrechnen, Daten klären, dem Kunden gegenüber nicht schlecht über den Partner reden. Du wirst ihm wieder begegnen.

Persönlicher Vertrieb: jemand, der hinausgeht

Du kannst hervorragend reinigen und trotzdem ungern verkaufen. Das ist kein Charakterfehler. Dann hol dir jemanden, der verkaufen kann — du musst nicht morgens Objektleiter, mittags Buchhalter und abends noch der große Vertriebsstratege sein.

Aber wenn jemand Kunden bringt, bezahl ihn dafür: klar, nachvollziehbar und so, dass er Lust hat, morgen wieder loszugehen. Vertrieb ist Arbeit. Eine vernünftige Besichtigung und ein sauber nachgefasstes Angebot entstehen nicht von allein.

Form Wann sinnvoll Was geklärt werden muss
Angestellter Vertrieb, Fixum plus variabel fortlaufender Verkauf, enge Zusammenarbeit realistische Ziele, Arbeitskosten, Angebotsfreigabe, Zuordnung, Vergütungsvereinbarung
Selbstständiger Vertriebspartner eigenständiger Partner mit eigener Struktur tatsächliche Selbstständigkeit, Rolle, Vertretungsmacht, Gebiet, Laufzeit, Vertragsprüfung
Gelegentlicher Tippgeber führt einen passenden Kontakt zusammen Zustimmung zur Kontaktweitergabe, klare Vergütung, Dokumentation, Interessenkonflikte

Ein Provisionsmodell ersetzt nicht die Pflichten eines Beschäftigungsverhältnisses. Und ein selbstständiger Vertriebspartner wird nicht durch die Vertragsüberschrift selbstständig — dazu Kapitel 8 von „Vom Auftrag zum Unternehmen”.12

Der Ablauf dahinter ist eine Arbeitsvorlage, keine gemessene Abschlussquote — ich behaupte ausdrücklich nicht, dass aus zwanzig Besuchen zwei Verträge werden. Zwanzig passende Betriebe in einem erreichbaren Gebiet auswählen, auf eine Kundengruppe konzentrieren (Hausverwaltungen, Gewerbehöfe, Pflegeeinrichtungen — dort führt der Weg zur Verwaltung, nicht ungefragt in Bewohnerzimmer), Leistung und echte Kapazität festlegen, den Kontaktweg mit den drei Ebenen von oben wählen, Bedarf und Entscheider dokumentieren, nach der Besichtigung kalkulieren und das Angebot mit vereinbartem nächstem Schritt übergeben.

Belohne nicht nur unterschriebenen Umsatz. Ein Auftrag mit falschen Zusagen, unbezahlten Rechnungen und dauernden Reklamationen ist kein Erfolg, sondern eine Rechnung, die jemand anders bezahlt — in der Regel dein Reinigungsteam. Sinnvolle Kennzahlen sind passende Besichtigungen, realisierbare Angebote, bezahlte Aufträge, Deckungsbeitrag und eine saubere Übergabe.

Was für den Vertrieb gilt, gilt für die Reinigungskräfte: Deine Leute sollen ordentlich verdienen. Gute Bezahlung braucht gute Preise und verlässliche Abläufe — höhere Löhne allein drucken kein Geld. Aber ständig neue Leute suchen und Fehler ausbügeln kostet ebenfalls etwas. Rechne beides, bevor du am falschen Ende sparst.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Das ganze Haus statt fünf langer Anfahrten

Ein bestehender Kunde empfiehlt dich dem Nachbarn im selben Gebäude. Unter passenden Bedingungen sparst du Wege und Einrichtung — und einen Teil dieser echten Ersparnis kannst du weitergeben. Dann hat ein Rabatt einen wirtschaftlichen Grund und ist kein Nachlass, weil jemand gefragt hat.

Lernmodell, frei gewählte Annahmen, alle Beträge netto, je Monat. Fünf vergleichbare Kunden, normal je 500 Euro. Bisherige direkte Kosten je Kunde 400 Euro. Durch tatsächlich gemeinsam planbare Wege und Abläufe sinken sie auf 300 Euro je Kunde, bei gleichem Leistungsumfang. Das muss am realen Objekt geprüft werden; ein gemeinsames Gebäude allein beweist diese Ersparnis nicht.

Fünf Kunden zusammen Umsatz Direkte Kosten DB vor Verwaltung und Steuern
ohne Bündelung, kein Rabatt 2.500 € 2.000 € 500 €
gebündelt, kein Rabatt 2.500 € 1.500 € 1.000 €
gebündelt, 10 % Rabatt 2.250 € 1.500 € 750 €
gebündelt, 15 % Rabatt 2.125 € 1.500 € 625 €
gebündelt, 20 % Rabatt 2.000 € 1.500 € 500 €

Lies die Prozentzahlen richtig: Es sind Prozent vom bisherigen monatlichen Nettopreis je Kunde, nicht vom Deckungsbeitrag und nicht von einem Jahreswert. Zehn Prozent sind 50 Euro je Kunde und Monat, zwanzig Prozent sind 100 Euro. In diesem Modell kann der Betrieb 20 Prozent Rabatt geben und denselben Gesamtdeckungsbeitrag behalten — 500 Euro. Das gilt ausschließlich deshalb, weil die angenommenen Ausführungskosten wirklich um 100 Euro je Kunde sinken. Fallen sie nur auf 350 Euro, liegen die direkten Kosten bei 1.750 Euro, und bei 20 Prozent Rabatt bleiben von 2.000 Euro Umsatz nur 250 Euro Deckungsbeitrag. Dann ist der Rabatt zu hoch.

Die Faustformel bei gleichem Leistungsumfang: maximaler Rabattbetrag je Kunde = bisherige direkte Kosten minus neue direkte Kosten, als Prozentsatz geteilt durch den bisherigen Preis. Im Beispiel: (400 − 300) / 500 = 20 Prozent. Koordination, Material, Vertretung und die Rabatte bestehender Kunden gehören vollständig in diese Rechnung.

Gute Preise und gute Bezahlung schließen sich dabei nicht aus: Bei 15 Prozent Rabatt kannst du zusätzlich 25 Euro Personalkosten je Kunde finanzieren — direkte Kosten 1.625 Euro, Umsatz 2.125 Euro, Deckungsbeitrag weiter 500 Euro, also das Niveau vor der Bündelung. Ob die höhere Vergütung Bindung oder Qualität verbessert, musst du beobachten; die Rechnung beweist es nicht.

So kann das Gespräch klingen — ein Beispielsatz, kein belegtes Gespräch: „Wir sind ohnehin regelmäßig bei Ihnen im Haus. Wenn weitere Betriebe im selben Gebäude dazukommen und wir die Einsätze gemeinsam planen können, prüfen wir einen Standortpreis für alle. Wir rechnen offen, welche Wege wir sparen.”

Nenne einen konkreten Nachlass erst, wenn Ersparnis und Bedingungen feststehen. Kläre vorher, ob die Vergünstigung vom Zustandekommen des Nachbarauftrags abhängt, wie lange sie gilt und was bei dessen Kündigung passiert. Keine unangekündigte Preiserhöhung beim bisherigen Kunden. Der Nachbar muss selbst Kontakt aufnehmen können oder mit einer Weitergabe einverstanden sein; ein Kunde darf dich empfehlen, ohne dir die Daten des ganzen Hauses zu überlassen. Und versprich keine gemeinsame Nutzung von Material, wenn Hygienepläne getrennte Ausstattung verlangen.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Lokale Sichtbarkeit: Fahrzeug, Anhänger, Aufkleber, QR

Dein nächster Kunde muss nicht auf Instagram sitzen. Vielleicht steht er jeden Morgen im selben Gewerbehof und ärgert sich über das Treppenhaus. Und dein Anhänger steht hinter der Garage und wirbt bei den Mülltonnen.

Wenn du ohnehin einen Transporter oder Anhänger nutzt, kann er dein Unternehmen sichtbar machen: klarer Name, eine verständliche Leistung, Telefonnummer, kurze Internetadresse. Ein QR-Code verkürzt den Weg zur Anfrage, ersetzt aber nicht die Botschaft — ein schwarzes Quadrat ist kein Vertriebskonzept. Und ein guter Standort ist nicht der mit den meisten vorbeifahrenden Autos, sondern der, an dem jemand stehen bleiben kann und eine Reinigung zu vergeben hat.

Maßnahme Passender Einsatz Inhalt Vorher klären
Beschrifteter Transporter echte Einsätze im Zielgebiet eine Kernleistung, Region, Name, Kontakt Lesbarkeit, Zustand, Verfügbarkeit der Leistung
Beschrifteter Anhänger Transport plus zulässige Abstellung wenige große Wörter, Kontakt, QR für Fußgänger Nutzung, Standort, Befestigung, Erlaubnis
Vereinbarte Fläche auf Privatgrund Gewerbehof, Partnerbetrieb sichtbares Schild mit örtlichem Nutzen Zustimmung, ggf. öffentlich-rechtliche Vorgaben
„Hier reinigt …“-Hinweis Objekt mit zufriedenem Kunden tatsächlicher Dienstleister, kurzer Kontakt Zustimmung des Berechtigten, Platzierung
Partnerauslage Tischlerei, Verwaltung, Handwerk kleine passende Mappe statt Werbestapel Auslage und Gegenleistung transparent
Nachbarschaftsansprache weitere Betriebe im selben Haus Standortpreis prüfen, Präsenz erklären keine Kundenbeziehung ohne Freigabe als Referenz

Der Anhänger und eine wichtige Unterscheidung. Ein betrieblicher Anhänger mit Beschriftung und ein überwiegend als stationäre Werbetafel abgestellter Anhänger können unterschiedlich behandelt werden. § 12 Absatz 3b StVO enthält eine allgemeine Regel zum Abstellen von Anhängern ohne Zugfahrzeug.13 Sie ersetzt keine örtlich erforderliche Erlaubnis für Werbung oder Sondernutzung öffentlichen Straßenlands.14 Deshalb klar gesagt: Regelmäßiges Umstellen ist keine pauschale Freigabe. Der oft gehörte Satz, es reiche, den Anhänger alle zwei Wochen zu versetzen, trägt diese Frage nicht. Kläre Standort und Zweck vorab bei der zuständigen Stelle deiner Gemeinde, bei Privatflächen zusätzlich mit dem Berechtigten. Das ist ein Telefonat. Ein Verfahren wegen unerlaubter Sondernutzung ist mehr.

Motiv und Zielseite. Große Schrift, hoher Kontrast, wenige Elemente:

Büroreinigung gesucht? · Feste Abläufe. Ein Ansprechpartner. [Firmenname] · [Telefonnummer] · Besichtigung anfragen: [kurze eigene Webadresse] · [QR-Code]

Nur Aussagen verwenden, die du erfüllst. „Reinigungsfirma gesucht?” ist eine Kundenansprache — gestalte sie nicht versehentlich so, dass der Anhänger nach einer Stellenanzeige aussieht. Teste den QR-Code aus realer Entfernung und mit mehreren Geräten; Telefonnummer und kurze Adresse bleiben sichtbar.

Dann führst du den Weg bis zum Ende. Der Code zeigt auf eine Seite deiner eigenen Domain, nicht auf einen kostenpflichtigen Weiterleitungsdienst, mit derselben Leistung und Region wie das Motiv, kurzem Formular und erwartetem nächstem Schritt. Je Motiv und Standort eine Kampagnenkennung wie anhaenger-gewerbehof-a, ohne personenbezogene Angaben in der Adresse. Bei eingehenden Anfragen die Kontaktquelle erfassen oder telefonisch danach fragen; ein QR-Code braucht kein heimliches Personen-Tracking. Und unterscheide Seitenaufrufe, qualifizierte Anfragen, Besichtigungen, Angebote und bezahlte Aufträge — ein Scan ist weder automatisch ein Mensch noch ein Kunde.

Rechenmodell, frei gewählte Annahmen, alle Beträge netto, Stand Oktober 2026. Ein vorhandener Anhänger, vier Wochen Kampagne. Gestaltung 120 Euro, Druck 280 Euro, Anbringung 80 Euro, Transport und Betrieb 100 Euro, vier Stunden Arbeit zu 30 Euro = 120 Euro, vereinbarte Fläche und Gebühren als Annahme 100 Euro. Summe 800 Euro. Ein neu gekaufter Anhänger, Lagerung, Finanzierung und Versicherung sind nicht enthalten.

Auswertung — angenommene Werte Wert
Kosten der ersten Kampagne 800 €
Qualifizierte Anfragen 8
Kosten je qualifizierter Anfrage 100 €
Neue bezahlte Kunden 2
Kosten je neuem Kunden 400 €
Monatlicher DB je neuem Kunden 200 €
Rechnerische Amortisation bei 400 € DB im Monat 2 Monate

Die letzte Zeile setzt voraus, dass beide Kunden bleiben, zahlen und den angenommenen Deckungsbeitrag erwirtschaften; Verwaltung, Steuern und Kapitaleinsatz sind darin nicht bezahlt. Bei nur einem solchen Kunden dauert die Amortisation vier Monate. Bei keinem gewonnenen Kunden bleiben 800 Euro Aufwand — und kein fiktiver Akquisepreis von null.

Einen Wirkungssatz gebe ich dir bewusst nicht mit: Es gibt keine Zahl, die ich belegen könnte, wie viele Anfragen ein beschrifteter Anhänger bringt. Für einen zweiten Einsatz ist ein Teil der Gestaltung vielleicht wiederverwendbar — das macht die erste Rechnung nicht rückwirkend billiger.

Kundenaufkleber und Partnerauslage. Ein Vorschlag: „Hier reinigt [Firmenname]. Fragen zu unserer Reinigung? [Kontakt oder QR]“ Das zeigt Leistung und Erreichbarkeit. Es ist keine fremde Empfehlung, kein Prüfsiegel und kein Hygienezertifikat — und es wird am Vertragsende entfernt oder aktualisiert. Für einen werblichen Hinweis wie „Gefällt Ihnen das Ergebnis? Büroreinigung anfragen” stimmst du den Werbezweck ausdrücklich mit dem Auftraggeber ab: Es ist sein Gebäude. Sichtbarkeit ohne gute Ausführung macht Fehler nur bekannter.

Zum Schluss die Kette: Fahrzeug gesehen → Webauftritt gefunden → Kontakt aufgenommen → Termin → Angebot → saubere Ausführung → freiwillige Empfehlung. Ein Kunde kann mehrere Kontaktpunkte haben. Schreib nicht jedem Kanal den ganzen Auftrag zu; Kapitel 12 von „Vom Auftrag zum Unternehmen” zeigt, wie du das trennst.

Direktansprache: Liste, Gespräch, Nachverfolgung

Zum Schluss der Teil, der die meisten Gewerbekunden bringt und den die meisten am unangenehmsten finden.

Die Liste. Schreib auf, welche Objekte in deinem Gebiet liegen. Nicht welche Firmen — welche Objekte. Je Eintrag: Name, Adresse, Entfernung, geschätzte Fläche, Objektart, erkennbarer Anlass.

Kundengruppe Wo du sie findest
Hausverwaltungen Verband der Immobilienverwalter, Kartendienst, Schilder an Wohnanlagen
Bürobetriebe Gewerbegebiete abfahren, Branchenverzeichnisse, IHK-Mitgliederverzeichnis
Arztpraxen, Zahnärzte, Physiotherapie Kassenärztliche Vereinigung, Kartendienst
Kitas freier Träger, Elterninitiativen Kitaportal der Stadt
Bauträger, Generalunternehmer Baustellenschilder, Bekanntmachungen des Bauamts
Steuerberater, Anwälte, Versicherungsbüros, Autohäuser Branchenverzeichnisse, Gewerbegebiete
Öffentliche Einrichtungen Kapitel 2 von „Vom Auftrag zum Unternehmen”

Wie viele Hausverwaltungen in deiner Stadt sitzen, weiß ich nicht, und ich nenne dir keine Zahl, die ich nicht belegen kann. Wenn du mit einer Arbeitsannahme planen willst, kennzeichne sie als das: Arbeitsannahme, keine erhobene Zahl. Die tatsächliche Zahl ermittelst du in zwei Stunden aus einem lokalen, datierten Verzeichnis.

Das Gespräch. Ruf nicht an, um dich vorzustellen; das beendet Gespräche nach zwanzig Sekunden. Ruf an, weil du einen sachlichen Grund hast, mit einem Ziel: herausfinden, wer entscheidet.

„Guten Tag, mein Name ist [Name] von [Firma], wir sind eine Gebäudereinigung in [Ort]. Ich habe eine kurze Frage: Wer ist bei Ihnen zuständig, wenn es um die Reinigung Ihrer Objekte geht?“

Das ist ein zulässiger Einstieg, wenn ein sachlicher Anlass vorliegt. Es ist kein werbefreies Gespräch, und du behandelst es nicht so. Fragt man dich, worum es geht, sagst du es geradeheraus: Du bietest Reinigung an, hast Kapazität in diesem Gebiet und willst wissen, mit wem du darüber sprechen müsstest. Kürzer als jedes Ausweichmanöver und erwachsener.

Erreichst du die zuständige Person, sagst du nicht, dass du günstig bist — das sagen alle, und es macht dich austauschbar. Du sagst drei Dinge:

  1. Dass du klein bist und selbst vor Ort — ein Vorteil, wenn du ihn einhältst.
  2. Was du bei Ausfall einer Kraft tatsächlich leisten kannst. Nicht „Ersatz innerhalb eines Tages”, außer du hast die Leute dafür. Sonst: „Wir haben X einsetzbare Kräfte im Umkreis von Y Kilometern; was wir Ihnen verbindlich zusagen können, sage ich Ihnen nach der Besichtigung.”
  3. Dass du fragst, wo es gerade nicht gut läuft. Fragen, nicht behaupten. Ich weiß nicht, ob jede Verwaltung ein Problemobjekt hat, und du weißt es auch nicht. Also: „Gibt es ein Objekt, bei dem Sie derzeit mit der Reinigung nicht zufrieden sind?“ Wenn ja, hast du eine Eintrittskarte. Wenn nein, eine ehrliche Antwort.

Die Nachverfolgung. Ein Anruf ohne Notiz ist ein verlorener Anruf. Nach dreißig Gesprächen weißt du nicht mehr, wer was gesagt hat.

Feld Beispiel
Firma, Objektart, Entfernung
Zuständige Person, Durchwahl
Was gesagt wurde „Vertrag läuft bis März, ich soll im Januar anrufen”
Vereinbarter nächster Schritt „Anruf am 14. Januar, von ihm so vorgeschlagen”
Termin dafür konkretes Datum im Kalender

Lies die vierte Zeile genau: vereinbarter nächster Schritt. Eine Absage ist eine Absage. Wenn jemand sagt, er sei zufrieden und habe keinen Bedarf, ist das ein Nein — keine Terminangabe, die du dir selbst stellst. Nur eine tatsächlich vereinbarte Wiedervorlage rechtfertigt einen erneuten Kontakt, und dann notierst du, wer sie vorgeschlagen hat. Wer ein Nein in einen Rückrufauftrag umdeutet, baut sich eine Liste von Menschen, die ihn nicht mehr sprechen wollen.

Es gibt einen legitimen Weg an Wechselzeitpunkte: danach fragen. „Wenn Sie versorgt sind — wann wird bei Ihnen über solche Verträge entschieden? Darf ich mich dann melden?“ Die Antwort gehört in deine Liste. Endet ein Vertrag zum 31. Dezember, wird oft im Herbst entschieden; dein vereinbarter Anruf gehört davor.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Und der dritte Beispielbetrieb: ganz ohne Kontakte

Alle drei sind frei erfunden. Die Zahlen sind gewählte Annahmen. Hoffmann und Novak stehen oben. Fehlt noch die Lage, in der die meisten Leser anfangen.

Dilan Acar, Dresden, 34, nebenberuflich, acht Stunden in der Woche. Keine Firmenkontakte, keine Referenzen. Ihr Weg geht über das persönliche Umfeld und funktioniert über Konkretheit: Sie sagt zwölf Menschen in vier Wochen nicht „ich putze jetzt”, sondern „ich übernehme Treppenhäuser und kleine Büros in der Neustadt, vormittags”. Was sie nicht zusagt: Ersatz innerhalb eines Tages — sie ist eine Person mit acht Stunden. Genau daran verliert sie einen Auftrag: Eine kleine Verwaltung will eine Vertretungsgarantie und nimmt einen größeren Anbieter. Sie bietet trotzdem nichts an, was sie nicht halten kann, und bleibt bewusst klein, solange das so ist. Im Nachbarschaftsgespräch nutzt sie ihre vorhandene Präsenz als Argument, nicht einen Rabatt ohne Kostenbasis.

Abbildung zum Kapitel 6 — Empfehlungen, Partner und persönlicher Vertrieb

Die häufigsten Fehler

  • Glauben, Empfehlungen seien kostenlos. Kein Anzeigenbudget ist nicht keine Kosten.
  • Einen Prozentsatz ohne Bezugsgröße vereinbaren. Der teuerste Fehler dieses Kapitels.
  • Die Erlaubnis zur Namensnennung mit einer Kontakterlaubnis verwechseln.
  • Ein Nein in eine Wiedervorlage umdeuten. Nur eine vereinbarte Wiedervorlage zählt.
  • Den Zweck eines Anrufs verschleiern. Spart dreißig Sekunden und kostet den Ruf.
  • Den Zugang eines Partners nicht prüfen. Die vierte der sechs Fragen, und die wichtigste.
  • Doppelkontakte nicht vorher definieren. Dafür gibt es eine Liste mit Datum.
  • Zusagen machen, die das Personal nicht deckt. Besonders bei Vertretung im Krankheitsfall.
  • Nach einer Empfehlung nicht zurückmelden. Dann war es die letzte.
  • Akquise nur machen, wenn Aufträge fehlen. Dann kommt sie zu spät.

Deine nächste Aufgabe

  1. Schreib die Objektliste. Eine Stunde, mindestens dreißig Einträge, je Eintrag ein erkennbarer Anlass. — Diese Woche.
  2. Prüfe deine drei häufigsten Kontaktwege gegen die drei Ebenen Einwilligung, Anlass, Kanal und notiere, was bei dir fehlt. — Eine Stunde, diese Woche.
  3. Frag drei Bestandskunden nach einer Empfehlung, nach einem nachweisbar guten Ergebnis. Und frag anschließend getrennt, ob der genannte Kontakt selbst informiert wird.
  4. Wähle einen Partner aus und prüfe ihn schriftlich entlang der sechs Fragen. — Zwei Wochen.
  5. Rechne dein Vergütungsmodell durch, mit deinen Zahlen und allen drei Bezugsgrößen. Schreib die Bezugsgröße in die Vereinbarung, bevor du über die Höhe sprichst.
  6. Leg die Bestandskundenliste mit Datum an. Zwanzig Minuten, und sie verhindert den häufigsten Partnerstreit.
  7. Blocke zwei feste Zeitfenster pro Woche für Gespräche. Fest heißt: im Kalender.
  8. Vor Fahrzeug, Anhänger oder Schild: bei der Gemeinde Standort und Zweck klären. Und leg die Kontaktliste an, mit der Spalte „vereinbarter nächster Schritt, Termin”. Arbeitshilfe 9.

Zu diesem Kapitel

Alle abgerufen am 7. Oktober 2026.

Vor Drucklegung zu prüfen: der Stand des Wettbewerbsrechts zur telefonischen Ansprache von Unternehmen und zur E-Mail-Werbung, die steuerliche Behandlung von Aufmerksamkeiten an Empfehler und die örtlichen Anforderungen an Werbeanhänger. Alle Rechenbeispiele dieses Kapitels sind Lernmodelle mit frei gewählten Annahmen, keine Branchenpreise.

Stand 7. Oktober 2026. Allgemeine Orientierung, keine Rechts- oder Steuerberatung. Ob eine konkrete Ansprache zulässig und ein konkretes Vergütungsmodell tragfähig ist, hängt vom Einzelfall ab und gehört vor der Umsetzung fachlich geprüft.


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